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Hermann's Seele entging dem guten Blicke der Gräfin nicht. Der blühende junge Mann blieb nicht kalt unter dieſen flammenden Augen des reizenden Geſchöpfs von den Antillen. Aber dieſen Empfindungen widerſprach eben⸗ falls ein Selbſtgefühl, nicht auf äußerliche Rückſichten geſtützt, ſondern auf ſittlichen Grundſätzen ruhend, ja von einer ſchwärmeriſchen Verehrung für die Frauen ge⸗ tragen. So anziehend anfangs dieſe Beobachtung für die Gräfin war, ſo kamen doch bald genug Augenblicke, in denen ſie bei dieſen wechſelſeitigen Regungen des mit jeder Stunde vertraulicher gewordenen Paares eine gewiſſe Bangigkeit empfand. Sie dachte nicht an die Gefahr, daß Beide im heißen Drang der Jugend, bei der Gunſt eines leiden⸗ ſchaftlichen Augenblicks, ſich vergeſſen könnten; denn dafür
war ſie ja als Hüterin der Stunde da, und wußte, daß
Beide im geſellſchaftlichen Verkehr der Stadt weit von einander blieben. Aber es kam ihr wol einmal die Be⸗ trachtung, daß dieſe Stunden zu ernſthaft für die Zu⸗ kunft Beider werden, und über die Sprachlehre hinaus das wirkliche Leben ſtören und verwirren möchten. Und — welche Verantwortung für ſie, zumal in ihrer hohen Stellung!
Dies hatte ſie in einer der erſten Nächte ihrer jetzigen Einſamkeit bänglich durchdacht und den Vorſatz gefaßt, mit Ende der Woche die Lectionen zu ſchließen. Sie kam aber zu dieſem Beſchluß nicht ohne ein ſtilles Leid um Her⸗ manns willen. Der junge Mann hatte ihr Intereſſe ge⸗ wonnen, beſonders nachdem ſie ihn auch noch an ihrem Klavier als Sänger kennen gelernt hatte. Seine ange⸗
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