Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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vorleſen, kommt aber meiſt erſchopft aus dem Bureau, und— hat auch jetzt ſoviel andere Dinge im Kopfe. Da moͤcht' ich ihm lieber ſelbſt vorleſen. Wie meinſt du, Hermann? Es fehlt mir nur noch ein wenig an Ver⸗ ſtändniß und Geſchmack, und— du müßteſt mir beiſtehen, daß ich in der rechten Reihenfolge ſelbſt leſe, und mich ein wenig aufmerkſam machen, worauf's dabei ankommt und worin der Werth und die Schönheit liegt. Ich bin nicht auf den Kopf und nicht auf's Herz gefallen— ſetzte ſie lächelnd hinzu—, und du ſollſt dein blaues Wunder ſehen, was ich für einen Geſchmack und für ein Urtheil gewin⸗ nen werde. Dabei kannſt du mir dann und wann etwas von der Perſönlichkeit und dem Leben der Dichter und Schriftſteller erzählen; das iſt mir außerordentlich intereſ⸗ ſant und— ich verrathe auch den Franzoſen nichts da⸗ von! ſetzte ſie ſchalkhaft hinzu.

Hermann drohte ihr mit dem Finger, belobte aber ihr Vorhaben und verſprach ſein Beſtes.

Ludwig ſoll ſich verwundern, fuhr ſie fort, wenn ich auch in dieſem Stück ſo ganz mit ihm wie zu Hauſe bin. So zufrieden er mit der unwiſſenden Braut war, würde er doch von der Frau nach und nach mehr verlangen, oder eigentlich— mehr an ihr vermiſſen; abgeſehen davon, daß nun die Reihe an mir iſt, ihm zu Gefallen zu leben.

Aber die Männer belehren gern, wenn ſie lieben, wen⸗ dete Hermann ein; werde ich nicht etwa deinem Ludwig vorgreifen?

O nein! betheuerte ſie. Ludwig iſt ein wenig bequem, und hat auch auf dem Bureau viel zu thun, was ihn leicht ein wenig nervös macht und verſtimmt. Dann aber—