Brautlied fiel ihm wieder ein. Er hatte es für eine der
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geſtern, da er hier um dieſelbe Stunde ſaß, nahm ſich die Welt um ihn her aus! Dies Caſſel, dem Ankömm⸗ ling nur als herrliche Knospe erſchienen, hatte ihn be⸗ reits in den aufgehenden Kelch blicken laſſen. Das viel⸗ fältigſte Intereſſe blätterte ſich darin mit geſprenkelten Farben auf und drohte ihn mit ſeinem fremden Dufte zu betäuben. Wie glücklich hatte er es bei dieſer Fa⸗ milie Reichardt getroffen, von der er ſo herzlich aufge⸗ nommen war! Wie dankbar gedachte er des Profeſſors Steffens, der ihn dahin empfohlen! Natürlich, daß er ſich über die Perſönlichkeiten und ihre Verhältniſſe klar zu machen ſuchte.
Den Kapellmeiſter erblickte Hermann in den einfluß⸗ reichſten Verbindungen. Das laute, abſprechende, zudring⸗ liche Weſen des Muſikers konnte läſtig werden; aber es ſtieß den jungen Freund nicht ab, vielmehr regte es ihm, als Neuling in der Welt, Muth und Zuverſicht an. Es lag cine Aufmunterung darin, nicht allzu ängſtlich und be— ſcheiden zu ſein, und ſich etwas herauszunehmen. Die unbefangene Freimüthigkeit des Muſikers ſchien Alles nie⸗ derzuſchlagen, was Hermann in Warnungen vor der ge⸗ heimen Polizei vernommen hatte. Es klang wie Ironie, wenn ein ſo kecker Mund gerade gegen Polizeiſpione los⸗ zog, wie eben ein Ungläubiger ohne alles Grauſen böſe Geiſter beſchwören mag.
Als reizendes Gegenſpiel des lauten Mannes und ſei⸗ ner politiſchen Geheimniſſe erſchien ſeine Tochter Luiſe. Ihr leiſes, feiekliches Weben verrieth ebenfalls eine my⸗ ſteriöſe Beziehung, aber mehr ins eigene Innere. Das


