Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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Steffens ſchreibt uns von Ihrer ausgezeichneten Stimme und Ihrem guten Vortrage.

Wäre ich nur nicht voraus gelobt! lächelte Hermann und ergriff die Guitarre.

Geben Sie's nur von ſich! lachte der Kapellmeiſter. Von einem Burſchen, der zwiſchen dem häuslichen Klavier eines Pfarrers und den Orgelpfeifen eines Cantors auf⸗ wächſt, darf man was erwarten.

Gut! So will ich's denn nach Ihren eigenen Noten wagen, verſetzte Hermann, und ſang das Lied von geſtern Abend, das ihm gleichſam noch in den Ohren lag:

Komm' heraus, komm' heraus, du ſchöne, ſchöne Braut, Deine guten Tage ſind nun alle, alle aus,

Dein Schleierlein weht ſo feucht und thränenſchwer,

O wie weint die ſchöne Braut ſo ſehr!

Mußt die Mägdlein laſſen ſtehn,

Mußt nun zu den Frauen gehn!

Ein räthſelhafter Eindruck auf ſeine Zuhörer war zu bemerken: hier beifällige Bewegung, dort ängſtliche Unruhe; jene vom Geſang, dieſe, wie es ſchien, von dem Liede hervorgerufen. Und während die Mutter Reichardt ſich leiſe um die erblaßte Luiſe bemühte, konnte der Ka⸗ pellmeiſter kaum den Schluß erwarten, um den Sänger mit Ungeſtüm zu umarmen. In ſeiner Lebhaftigkeit fand er wieder den Familiennamen nicht ſchnell genug, und rief:

Ei was! Wir nennen Sie Hermann kurzweg und familiär, ein für alle mal. Hört Ihr's, Mütterchen, Luiſe! Hermann heißt er und verdient

Indem er jetzt aber beim Anblick ſeiner Tochter zur Beſinnung über das Lied kam, entſtand eine Stille der

Koenig, Jeroͤme's Carneval. I. 3