Er ſpricht das Franzöſiſche gut, und käme ſo alsbald in die erſte Geſellſchaft. Wie?
Der Vorſchlag ſchien der Tochter zu misfallen. Mit einem flüchtigen Blick auf Hermann ſagte ſie noch leiſer als gewöhnlich:
Ach, lieber Vater, gerade dieſer Kreis—
Ja, gerade dieſer! fiel Reichardt ein. Es ſind die einflußreichſten Familien für das Fortkommen eines jun⸗ gen Mannes. Und ſodann— Sie müſſen nur wiſſen, lieber Doctor, dieſer Fürſtenſtein gehört zur deutſchen Partei, vielleicht nur, weil er deutſch geadelt iſt, und bewirbt ſich um die Tochter des Generals Salha. Er wünſcht, daß dieſe deutſch lernen möchte, und die Gene⸗ ralin, der Alles an dieſer glänzenden Partie gelegen iſt, begünſtigt dies Vorhaben.
Aber daß die Empfehlung gerade von dir,— ich will ſagen, von uns kommt—! erinnerte mit bedeutendem Blick oder Wink Luiſe.
Nun, warum nicht? fragte er. Ich denke, wir kennen ſie hinreichend, und Hermann iſt eben an uns empfohlen. Wir haben ihn zu empfehlen, und wir koͤnnen ihn em⸗ pfehlen.— Doch genug für jetzt! Andere Accorde, Luiſe!
Er reichte der Tochter die Guitarre und ſtimmte ſeine Violine. Luiſe ſang einige Lieder Goethe's nach ihres Vaters Compoſition. Ihre Stimme war voll und tief, ihr Ausdruck ebenſo ergreifend als eigenthümlich. Her⸗ mann, von ihrer ganzen Erſcheinung eingenommen, war überraſcht und bewegt.
Dieſe gehobene Stimmung kam ihm zu Statten, als ihn jetzt Reichardt zum Singen mit den Worten auffoderte:


