Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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heit und beſonders für bedeutende Männer immer ſehr anziehend geweſen. Er ſelbſt empfand nach und nach die⸗ ſen geheimnißvollen Zauber, und wenn er ſich darum auch nicht für einen bedeutenden Mann hielt, ſo ward er dar⸗ über doch nicht inne, daß Luiſe über die erſte Jugend hinaus und älter als er ſelber war. Auch hätte man ihr das dreißigſte Jahr kaum angeſehen, und Hermann erfuhr zum erſten mal, daß die geiſtige Schönheit oft über den Spuren der Jahre ſchwebt, und daß ein junges Herz, ſolange es dieſer Macht verfällt, dem Zug und Banne der Sinnlichkeit entrückt iſt. Dies leiſe, klangvolle Spre⸗ chen, dieſe Feierlichkeit in jeder Bewegung, dieſe Güte und Hoheit in jedem Blick hatten nichts mit den gewöhnlichen Reizen weiblicher Jugend gemein, die der junge Hermann, ſo beſchränkt auch bis jetzt ſein Verkehr in der Geſellſchaft geweſen war, doch mit ſeinen friſchen Sinnen gewiß ſchon empfunden hatte.

Der Park war an dieſem ſchwülen Nachmittage ſehr beſucht. Es war der Wochentag, an welchem eine Regi⸗ mentsmuſik vor dem Wirthſchaftsgebäude ſpielte. Doch ſuchten die Spazierenden lieber die entferntern Bänke unter den herrlichen Baumgruppen auf, von wo man den kleinen mit Schwänen beſetzten See überſchauen konnte. Noch tiefer im Parke lag der eigenthümliche Hügel, auf dem die kleine Geſellſchaft des Kapellmeiſters um ſo unbe⸗ fangener verkehrte, als ſie ſich abgeſchloſſener empfand.

Es iſt wirklich ein freies Theater, erklärte Luiſe dem jungen Gaſt, und Landgraf Friedrich, der Vater des ver⸗ triebenen Kurfürſten, hat hier Schauſpiele aufführen laſſen; wie er denn auch ſchon eine gar luſtige halbfranzöſiſche