Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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er ſich ſo zwiſchen Preußen und Weſtfalen einklemmen will? Wiſſen Sie's?

Bei dieſer Frage blickte Reichardt den jungen Gaſt durchdringend an, und fuhr, als dieſer unbefangen ver⸗ neinte, fort:

Ich weiß es. Aber von dergleichen ſpäter, von der Politik ein andermal! Ja viel Schönes von Ihnen, und das will von Henrik Steffens etwas heißen. Wie ſehr ich ihn ſchätze, können Sie daraus ſehen, daß ich ihm meine liebſte Tochter gegeben habe. Liebſte? Nun, die Sie jetzt finden werden, habe ich nicht weniger lieb, meine herrliche Luiſe, meine älteſte von meiner erſten Frau! Dieſe war, wiſſen Sie, eine Tochter des berühmten Benda, und meine Luiſe iſt ganz die prächtige Sängerin, die ihre ſelige Mutter war. Von mir hat ſie das Talent der Compoſition, doch mehr im Geſchmacke des mütterlichen Großvaters. Zu alldem hat ſie Schickſale gehabt o meine edle Luiſe!

Sie waren inzwiſchen durch das Author, die gewundene Treppe tief hinab, und durch Alleen in einen Seitengang des Parks gewandelt. Reichardt machte ſeinen Gaſt auf die großartigen Anlagen und auf die prachtvollen Bäume aufmerkſam.

Da ſehen Sie die alte Landgrafengarde, ſagte er, die der Kurfürſt zurückgelaſſen, als er vor anderthalb Jah⸗ ren, am Jahrestage ſeines Regierungsantritts, mit ſeinen Schätzen Reißaus nahm, und das Land im Stiche ließ. Dem jungen Manne fiel hierbei der Brief wieder ein, und er erzählte den Vorfall mit dem Polizeicommiſſar und deſſen feindſelige Aeußerung über Reichardt. Dieſer