Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1 1 4 g

Dies fremde Geſindel glaubt, alle Welt müſſe ſeine Sprache reden. Und ſo iſt, ſage ich Ihnen wie Sie da gleich auch ein Pröbchen haben, unſerm von Gott beſcherten Hieronymus ein ganzes Heer verlumpter Fran⸗ zoſen nachgezogen, wie dem Hund die Flohe. Sie ſche⸗ ren oder dreſſiren Hunde, verkaufen Schminke und Waſch⸗ waſſer, repariren ſeidene Strümpfe und dergleichen. Immer noch beſſer, als es der große kaiſerliche Bruder macht! Das Glied der großen Nation dort ſchert doch nur Hunde, ſein Kaiſer ließe der doch die Deutſchen ungeſchoren, oder wären die Deutſchen nur nicht wie Hunde, die es ſich gefallen laſſen.

In dieſer Weiſe ließ Reichardt ſich leicht gehen, laut, rückſichtslos, abſpringend mit einer Unruhe, die an einem tiefen Funfziger auffallen konnte, deſſen vollſtändige Glatze, mit Puder und Pomade geſchützt, bis zu den we⸗ nigen Nackenlöͤckchen reichte. Sonſt war ſein geiſtreiches Ausſehen, ſein weltläufiges Benehmen und eine gewiſſe Vernachläſſigung ſeines übrigens feinen und ſaubern An⸗ zugs an dem ſo vielſeitig gebildeten Componiſten nicht unangenehm, ja es bezeichnete ihn. Nach ſeinen Aus fällen gegen die Franzoſen kam er auf Hermann zurück.

Mein Schwiegerſohn, ſagte er, der wandernde Pro⸗ feſſor beinahe hätte ich Prophet geſagt! ſchreibt mir Prophet wäre übrigens auch ganz treffend ge⸗ weſen! viel Schönes von Ihnen, Herr Drei⸗ leber. Er hat Ihren Vater gekannt, als dieſer noch Apropos! Er will wieder nach Halle ziehen, mein Schwie⸗ gerſohn Steffens, meine ich, nachdem er den Winter in

Holſtein und Hamburg zugebracht. Wiſſen Sie, warum

E d U i d 1 1 44 9