Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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Mit dieſen Eindrücken fröhlichen Lebens und heiterer Witterung kam unter günſtigen Vorzeichen der junge Wanderer an das belebte Thor. Der Wachtoffizier, bei dem er ſich auszuweiſen hatte, maß ihn mit wohlgefälli⸗ gen Blicken. Das iſt ein Student von der Garde, Corporal! ſagte er hinter dem Fortgehenden. Und wirk⸗ lich erregte der Ankömmling weniger durch ſeinen ſtuden⸗ tiſchen Anzug mit Stock und Ränzchen, als durch Wuchs und Haltung die Aufmerkſamkeit vieler Menſchen auf dem Platz vor der Brücke. Ein hübſches Frauenzimmer von ſchöner Geſtalt und auffälligem Putz ſah ihn ſo freund lich an, daß er ſie nach dem Gaſthofe zur Stadt London befragte. Sie erbot ſich ihn zurechtzuweiſen, und wan⸗ delte ſehr vertraulich neben ihm her. Als er auf der Brücke ſich rechts und links umſah, ſagte ſie:

Sehen Sie dort, mein Herr, das alte Schloß! Da wohnt unſer junger König Hieronymus oder Jeröme, und den großen Park an der Fulda nennt man die Au. Da werden Sie ſchöne Spazieranlagen finden. Aber hier rechts, vor dem alten Bau hüten Sie ſich! Man nennt ihn das Caſtell. Hier können Sie eingeſteckt wer⸗ den, und man ſteckt ſehr unangenehm in den Löchern, beſonders des Erdgeſchoſſes.

Erſchrocken blickte er ſie an.

Sind Sie etwa eine Wahrſagerin? fragte er lachend.

O nein, mein Herr! lachte auch ſie. Sonſt könnte ich Ihnen viel eher Glück prophezeien. Aber nicht wahr, Caſſel macht Ihnen einen guten Eindruck.

Sehr! erwiderte er. Es ſcheint hier luſtig genug

zuzugehen, und da verſpricht man ſich denn auch ſein