Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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4 wegs ſich damit getragen. Bald aber lächelte ihn die nächſte Umgebung der Stadt, das ausgebreitete Thal mit Gruün und Sonnenſchein an; ſeine Rührung verlor ſich mit dem ſchwärmeriſchen Blick über die Wieſen nach den nahen Dörfern und Hügeln. Seine Phantaſte regte ſich, die glänzende Stadt, die reizende Umgebung zu bevölkern. Er träumte ſeine Perſon, ſeine Morgen und Abende in dies anmuthige Weichbild hinein, wozu ein langer Som⸗ mer mit ungemeſſenen Erwartungen vor ihm lag. Zu Fuße, zu Pferd und Wagen kamen jetzt Männer und Frauen heiter und geſchmückt an ihm vorüber. Auch ſie verftelen dem Zauberſpiele ſeiner räthſelnden Einbildungs⸗ kraft. Wer mögen ſie ſein? In welche Bezüge wirſt du vielleicht mit dieſen und jenen kommen? fragte er ſich ſelbſt, und las nach dem Wohlgefallen ſeines Herzens die⸗ jenigen aus, von denen er Gunſt und Förderung, Um⸗ gang und Erheiterung, Freundſchaft und Liebe zu em⸗ pfangen ſich geſtimmt fühlte. Sein ſchönes braunes Auge glänzte von zufriedenen Erwartungen, wobei jedoch was um den kräftigen Mund lächelte nur edle Regung zu ſein ſchien.

Unter ſolchen Empfindungen hatte er an einem an⸗ ſehnlichen Hospital und einer kleinen Kirche mit Anbauten vorüber eine Reihe gleichförmig gebauter Häuſer erreicht, die, mit Wetterbrettern bekleidet, nach Kneipen und Fuhr⸗ mannswirthſchaft ausſahen. Soldaten und Mädchen trie⸗ ben ſich luſtig gus und ein; ein paar grelle Inſtrumente ſpielten zum Walzer, und zwiſchen den Weidenbäumen des Wieſenabhangs tanzten noch luſtiger die Mücken⸗ ſchwärme in der Abendſonne.