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ſo ſchön! ganz Dein Ebenbild, mein Kind. Ach, wenn Du wüßteſt, wie glücklich ſie mich in meiner Jugend gemacht, welche liebliche Erinnerungen ſie mir von einer Zeit hinterlaſſen hat, die uns jetzt ſehr en liegt, aber meinem Herzen ſtets gegenwärtig eibt!“ 3
„Sie iſt alſo auch ſehr unglücklich geweſen?“
„Ach ja, liebe Kleine. Was willſt Du?“ fügte der Chevalier mit einem Seufzer hinzu,„ich war jung und bin nicht immer vernünftig geweſen.“
„O das iſt unmöglich, Vater,“ rief das junge Mädchen,„und wenn meine Mutter unglücklich war, ſo möchte ich darauf ſchwören, daß ſie es nicht durch Sie geworden iſt.“
„Wiſſen Sie, daß Ihr Herz gediegenes Gold iſt?“ ſagte Herr Chalier dem Chevalier ins Ohr.
„Ja wohl,“ verſetzte dieſer,„mein Herz, mein Herz... ich bin ihm böſe! Wäre es nicht ſo faul und ſo feige geweſen, ſo würde ich dieſes theure kleine Weſen da ſchon ſeit acht Jahren auf meinem Schooße ſchaukeln. O wie wohl das thun muß, mein Freund, von ſo einem neunjährigen Mädchen wie Milch und Blut geküßt zu werden. Und ſehen Sie, das iſt ein Glück, um welches mein Egoismus mich gebracht hat.“
In dieſem Augenblick kam der Kellner herein und meldete Herrn de la Graverie, ein junger Mann, derſelbe der ihn ſchon am Morgen beſucht habe, warte auf dem Abſatz.
Der Chevalier ging raſch hinaus.
Es war wirklich Henri.


