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„Thereſe iſt da,“ ſagte Herr de la Graverie zu ihm.„Wollen Sie das Mädchen ſehen?“
„Nein,“ antwortete Henri.„Dieß würde ſich weder für ſie noch für mich ſchicken. Ich werde nicht einmal der Ceremonie anwohnen. Mein Vater, dem ich ſo eben den ganzen Vorfall erzählte und der zu dieſer allzu ſpäten Wiedergutmachung ſeine Einwilligung gegeben hat, mein Vater wird unſere Familie bei meinem unglücklichen Bruder vertreten.“
Aber Thereſe hatte eine Stimme gehört und mit jener außerordentlichen Wahrnehmungskraft, die mit tiefen Neigungen Hand in Hand geht, hatte ſie Henri erkannt.
Ehe Herr Chalier ſich ihrer Abſicht widerſetzen, ehe er ſie auch nur ahnen konnte, öffnete ſie die Thüre und ſtürzte dem jungen Mann in die Arme.
„O Henri, Henri!“ rief ſie,„Du weißt, daß ich nur Dir nachgegeben habe.“
„Ich weiß Alles, meine arme Thereſe,“ ſagte Henri. „O warum haſt Du mich verlaſſen!“ murmelte das junge Mädchen.
„Ach! ich büße meine Schwäche ſchrecklich!“ ant⸗ wortete Henri;„aber ſeien wir eben ſo groß als unſer Unglück, Thereſe! In einigen Augenblicken wirſt Du meine Schweſter ſein. Bleiben wir Beide der neuen Bande würdig, die uns vereinigen wer⸗ den. Laß mich jetzt gehen!“
„Verlaß mich nicht in dieſem Augenblick, Henri, ich bitte Dich um Alles! Bleib bei mir, bis neue Eidſchwüre uns zum zweiten Mal getrennt haben.“ Henri, der ſelbſt ſchrecklich bei dem Gedanken
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