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Sobald dieſe Vorbereitungen getroffen waren, zun⸗ dete ſie das Nachtlicht an, kauerte ſich auf ihrem provi⸗ ſoriſchen Bette zuſammen, und überließ ſich dem Schlafe. Das Zimmer wurde nun auf einmal geſpenſterhaft und düſter, und öde Schatten ſchienen es in geiſterhaftem Schweigen zu durchziehen. Das entfernte Geräuſch der Straßen verſtummte allmälig, das Haus wurde öde wie ein Grab und die kalte ſtarre Leiche der Nacht legte ſich in der Stadt wie in einem Sarge zum Schlafe.
O traurige, unheimlich duͤſtere Stunde! O ver⸗ welkter Geiſt, der Du unſicher durch die Vergangenheit hinkriechſt und die jämmerliche Gegenwart nicht abzu⸗ ſchütteln vermagſt— der Du ihre ſchwere Kette von Sorge durch phantaſtiſche Feſte, Gaſtſchmäuße und Sce⸗ nen voll ehrfurchtgebietendem Pompe hinſchleppſt— der Du nur augenblickliche Ruhe unter den längſt vergeſſenen Lieblingsplätzen dieſer Kindheit und den Freuden der Vergangenheit ſuchſt und leider überall nur das düſtere Bild der Furcht und des Entſetzens findeſt! O trübe, unheimliche Stunde! Was waren Kains irre Wanderun⸗ gen gegen die Deinigen! Noch immer warf ſich ohne eine augenblickliche Pauſe der fieberglühende Kopf auf den Kiſſen umher;— noch immer machte ſich von Zeit zu Zeit Erſchöpfung, Ungeduld, Schmerz und Ueberra⸗ ſchung auf dieſem Marterlager laut genug Luft, wenn ſie auch nicht gerade ſich deutlicher Worte dazu bediente. In der feierlichen Stunde der Mitternacht endlich begann der Kranfe zu ſprechen, heiſchte bisweilen bange Ant⸗ wort, als ob unſichtbare Gefährten ſein Bette umga⸗ ben, auf deren Fragen er zu antworten und die er hin⸗ wiederum zu befragen ſchien.
Frau Gamp erwachte endlich und richtete ſich in ih⸗ rem Bette empor, daß ſie an der Mauer den Schatten eines gigantiſchen Nachtwächters vorſtellte, der mit einem Gefangenen kämpft.
„Heda, haltet Euer Maul!“ rief ſie im Tone bit⸗


