Teil eines Werkes 
7.-9. Th. (1844)
Entstehung
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234 ſo lange man irgend noch Dienſte leiſten kann! Ich glaube kaum, daß je eine ſchönere Gukummer gewachſen iſt, ich weiß wenigſtens gewiß, daß ich ſelber nie eine ſchönere geſehen habe.

In dieſer Weiſe moraliſirte ſie fort, bis ihr Glas leer geworden war, und verabreichte alsdann dem Pa⸗ tienten ſeine Medizin vermittelſt des einfachen Prozeſſes, daß ſie ihm die Kehle ſo lange zuſammendrückte, bis er den Mund aufſperrte, worauf ſte ihm dann die ganze Beſcheeruung den Hals hinab goß.

Ei, eil faſt hätte ich das Kiſſen vergeſſen! rief Frau Gamp, indem ſie es dem Patienten unter dem Kopfe hinwegzog;ſo, nun hat er es ſo bequem, als es nur immer möglich iſt, und ich will mir es nun auch angelegen ſeyn laſſen, es mir ſelbſt ſo bequem wie möglich zu machen.

In dieſer Abſicht machte ſte ſich alsbald daran, ſich ein extemporirtes Bett in dem Lehnſtuhl zu bereiten, in⸗ dem ſie den andern Armſtuhl dieſem gegenüber ruückte, um ſich ſeiner füur ihre Füße zu bedienen. Nachdem ſie auf dieſe Weiſe ſich nach Maßgabe der Umſtände das beſtmöglichſte Lager bereitet hatte, holte ſie aus ihrem Bundel eine gelbe Nachtkappe von rieſiger Größe, welche der Geſtalt nach Aehnlichkeit mit einem Kohlkopfe hatte; beſagtes Kleidungsſtuck nun befeſtigte und band ſie als⸗ bald mit beſonderer Sorgfalt auf den Kopf nachdem ſie ſich zuvor einer Garnitur alter kahler Locken entledigt hatte, die man kaum falſch nennen konnte, da ſie ſo un⸗ ſchuldiger Natur waren, daß ſie allem eher ähnlich ſahen, als einem Verſuche zur Täuſchung. Daſſelbe Bundel lieferte auch noch eine Nachtjacke, die ſie ebenfalis an⸗ legte, und brachte ſchließlich noch einen Nachtwächter⸗ überrock zum Vorſchein, den ſte mittelſt der Aermel um den Hals band, ſo daß ſie die Geſtalt von zwei Perſonen bekam und von hinten aus geſehen ganz den Anſchein

hatte, als ob ſie eben von einem der alten Schaarwache umarmt werde.