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liebes Kind, und zwar ſtets nur mit etwas friſcher But⸗ ter und einem Stückchen Käſe darauf. Sollte es unge⸗ fähr Gukummern im Hauſe geben, ſo könnten Sie mir auch den Gefallen thun, etliche zu bringen, denn ich habe eine beſondere Vorliebe für ſie, weil ſie in einer Krankenſtube ganz beſonders gute Dienſte thun. Falls man mir gutes Ale zapft, ſo moͤchte ich das zum Schlaf⸗ trunk haben, liebes Kind! weil die Aerzte behaupten, es halte einen wach. Wie Sie es auch immer mit mir meinen mögen, Jungferchen, bringen Sie mir ja nicht mehr als für einen Schilling Gin(Wachholderbranntwein) und warmes Waſſer, wenn ich zum zweitenmal die Klin⸗ gel ziehe, denn dies iſt mein gewöhnlicher Schlaftrunk, und ich pflege nie einen Tropfen mehr zu trinken.“
Als Frau Gamp dieſe mäßigen Forderungen ge⸗ ſtellt hatte, bemerkte ſie noch insbeſondere, ſie wolle in⸗ zwiſchen an der Thüre warten, bis ihr Auftrag vollzogen ſey, damit der Patient nicht durch ein abermaliges Oeff⸗ nen der Thüre aus dem Schlafe geſtört werde, und ſie werde es daher dem Jungferchen ganz beſonders danken, wenn ſie ſich einigermaßen tummeln wolle. Bald dar⸗ auf brachte das Stubenmädchen auf einem Theebrett Alles, was Frau Gamp ſich gewünſcht hatte, und ſogar noch die ſcharfen Pfeffergurken, und die Krankenwärterin ſetzte ſich demgemäß nieder, um ſich in ihrer beſten Laune über das Eſſen und Getränke herzumachen. Die Menge des Eſſigs, den ſie conſumirte, und die Behaglichkeit, mit der ſie dieſes erfriſchende Fluidum vermittelſt der Meſſerklinge auflegte, laſſen ſich kaum beſchreiben.
„Ach!“ ſeufzte Frau Gamp, als ſie über der Schil⸗ lingsportion Grog in nachdenklicher Stellung daſaß,„was für ein hoher Segen iſt es doch, wenn ein Menſch wäh⸗ rend ſeiner Erdenlaufbahn mit ſich ſelbſt zufrieden iſt! Was für ein geſegnetes Ding iſt es doch, um den Be⸗ ruf, in welchem man kranke Leute in ihren Betten glück⸗ lich macht, und ſich um ſich ſelber gar nicht kümmert,


