Frau Gamp erquickte ſich nun zunächſt mit einer Priſe Schnupftaback und beugte ſich ſchauend, mit ſeit⸗ wärtsgeneigtem Kopfe, über ihn herab, wie etwa ein Kunſtkenner ein zweifelhaftes Kunſtwerk betrachtet haben würde. Allmählig ſchien ſie jedoch von einer entſetzlichen Erinnerung an einen Zweig ihres Berufs ganz erfüllt zu werden; ſie beugte ſich nämlich über den Patienten hernieder, drückte ſeine unſteten, irren Arme an ſeine Hüften und wollte ſich gewiſſermaßen überzeugen, wie ſich der Kranke wohl als Leiche ausnehmen würde. So abſcheulich es auch erſcheinen mag, ſo iſt es doch nicht minder wahr, daß es ſie wahrhaft in den Fingern juckte, ſeinen Gliedern jene letzte marmorartige Stellung zu geben.
„Ja wahrhaftig,“ ſprach Frau Gamp, als ſie von dem Bette wegſchritt,„er würde wahrlich eine prächtige Leiche geben.“
Sie fuhr nun fort, ihr Bündel auszupacken, zündete mit Hülfe eines Feuerzeugs, der auf der Kommode ſtand, eine Kerze an, fullte einen kleinen Keſſel als einſtweilige Zurüſtung, um ſich im Lauf der Nacht an einer Taſſe Thee zu laben, machte zu demſelben philantropiſchen Zwecke ein„klein wenig“ Feuer an, wie ſie's nannte, rückte ein kleines Theetiſchchen herbei und deckte daſſelbe, damit ihr für die kommende Nacht ja nichts zu einem behaglichen Lebensgenuſſe fehle. Die Vorbereitungen nahmen ſie ſo lange in Anſpruch, daß fle nach Beendigung derſelben es für die höchſte Zeit erachtete, an's Nachteſſen zu den⸗ ken, weßhalb ſie die Klingel zog und ihre Beſtellungen machte.
„Ich dächte, Jungferchen,“ ſprach Frau Gamp in einem Tone, der auf höchſte Erſchöpfung ſchließen laſſen ſollte, zu der Unterſtubenmagd,—„ich dächte, ich könnte jetzt ein Bischen geräucherten Lachs mit etwas Fenchel und einer Meſſerſpitze voll weißen Pfeffer zu mir neh⸗ men. Ich pflege nur neugebackenes Brod zu eſſen, mein


