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Winke, wünſchte ihrer Freundin wohlwollend gute Nacht und ließ die Thür offen, bis ſie am andern Ende der Gallerie verſchwunden war; nachdem ſie ſolchermaßen die gaſtfreundſchaftliche Pflicht geübt, ſte wohlbehalten ſchei⸗ den zu ſehen, ſchlug ſie die Thüre zu, verſchloß ſie von innen, nahm ihr Bündel wieder auf, ſpazierte hinter den Vorhang, und machte ſich nun an ihren Beruf in Be⸗ treff der Krankenſtube.
„Ein Bischen langweilig, aber lange nicht ſo arg, als es ſeyn könnte,“ bemerkte Frau Gamp;—„es freut mich nur, daß eine Bruſtwehr für den möglichen Fall einer Feuersgefahr hier iſt, und eine ſolche Unzahl von Dächern und Schornſteinmündungen, um darauf fortgehen zu können!“ 4
Aus dieſen Bemerkungen der Frau Gamp wird nunmehr Jedermann klar ſeyn, daß ſie aus dem Fenſter blickte. Als ſie die Ausſicht nach Genüge genoſſen, ver⸗ ſuchte ſie den Lehnſtuhl und erklärte voll Entrüſtung, er ſey härter als ein Backſteinboden. Nächſt dem ſetzte ſie nun ihre Nachforſchungen unter den Arzneitaſſen Glä⸗ ſern, Krügen und Theetaſſen fort, bis ſie ihre Neugier an all' dieſen Gegenſtänden vollkommen befriedigt hatte, löste ſie die Bänder ihres Hutes und trat an das Bett des Patienten, um ſich durch eigene Anſchauung über ſein Befinden zu belehren.
Es war ein junger Mann mit dunklen Haaren und nicht unangenehmen Zügen, mit langem ſchwarzem Haar, das auf den weißen Betttüchern deſto ſchwärzer erſchien, der hier im Bette lag, ſeine Augen waren weit geöffnet und er rollte unaufhörlich ſeinen Kopf auf dem Kiſſen von einer Seite zur andern, während ſein Körper eine ganz ruhige Lage behielt. Er äußerte kein Wörtchen, allein zuweilen machte er doch einem Ausruf der Un⸗ geduld oder Ermüdung, zuweilen auch des Erſtaunens Luft, wobei ſich ſein unruhiger Kopf unausgeſetzt viele, viele Stunden lang in ſteter Bewegung erhielt.


