tete, wo ſie endlich gehen konnte. Frau Prig glich dem Wuchſe nach ſo ziemlich Frau Gamp, nur daß ſie nicht ſo fett war, eine tiefere, faſt männliche Stimme hatte, und ſich ſogar ſchmeicheln konnte, einen Bart zu beſitzen.
„Ich dachte nachgerade ſchon, Sie würden gar nicht kommen,“ entgegnete Frau Prig einigermaßen mißvergnügt.
„Ich will mein Verſäumniß morgen Abend ehrlich wieder gut machen,“ verſetzte Frau Gamp;—„ich mußte zuvor nach Hauſe gehen und meine Sachen herbeiholen.“
Sie hatte ſich bereits mittelſt einer Zeichenſprache über den Zuſtand des Patienten und die Möglichkeit zu erkundigen begonnen, daß er ſie hören köoͤnne— ſein Schlafzimmerchen war nämlich nur durch einen Vorhang von dem äußern Zimmerchen geſchieden, als Frau Prig über dieſen Punkt leicht hinwegging.
„O!“ ſagte ſte laut,—„er iſt ganz ruhig, aber nicht bei Beſinnung, und darum liegt im Ganzen auch nichts daran, was Sie ſagen mögen.“
„Haben Sie mir ſonſt noch etwas zu ſagen, bevor Sie gehen, gute Frau?“ fragte Frau Gamp, nachdem ſie ihr Bündel im Zimmer abgelegt, und blickte ihre Collegin dabei wohlwollend an.
„Der geräucherte Lachs iſt ganz vorzüglich,“ ver⸗ ſetzte Frau Prig;—„ich kann Ihnen denſelben ganz beſonders empfehlen; zum kalten Fleiſch würde ich Ihnen indeß nicht rathen, da es nach dem Stalle ſchmeckt. Das Getränke iſt durchweg gut.“
Dieſe Nachrichten machte ſich Frau Gamp insbeſon⸗ dere zu Nutzen, und ſchien ſehr erbaut davon.
„Die Arznei und die andern Sachen ſtehen auf der Commode und dem Kaminſims!“ verſetzte Frau Prig beiläufig;—„um Sieben hat er zum letztenmal ſeinen Schleimtrank eingenommen. Der Lehnſtuhl iſt nicht be⸗ ſonders weich, und es wird deßhalb gut ſeyn, wenn Sie ein Kopfkiſſen von ihm nehmen!“
Frau Gamp bedankte ſich für dieſe freundſchaftlichen


