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Hier zauderte er ploͤtzlich und wagte nicht zu vol⸗ lenden, allein der Andere lächelte, als ob er bereits wiſſe, was er mit den Worten ſagen wolle, welche Martin in der Kehle ſtecken geblieben waren, und munterte ihn auf, nur offen weiter zu reden.
„Um ſo mehr,“ fuhr Martin fort,„als ich bereits begreifen kann, daß es ſelbſt zu ſeiner Zeit großen Muth erfordert haben mag, ſich über irgend eine Frage oder Angelegenheit, die nicht Parteiſache war, ſich in dieſem ſehr freien Lande hier in Schrift und Rede auszuſprechen.“
„Muth gehörte jedenfalls dazu,“ verſetzte ſein neuer Freund,„glauben Sie wohl, daß dieſer auch heut zu Tage entbehrlich ſey?“—
„Im Gegentheil,“ verſetzte Martin,„ich bin viel⸗ mehr überzeugt, daß es hier zu Lande großen Muths von Seiten eines Mannes bedarf, wenn er ſich unum⸗ wunden ausſprechen will.“
„Sie haben Recht,“ verſetzte der Fremde;—„Sie haben ſo ſehr Recht, daß ich glaube, kein Satyriker ver⸗ möchte unſere Luft zu athmen; wenn morgen ein neuer Juvenal oder Swift unter uns ſich erhöbe, würde er in der That geſteinigt werden. Wenn Sie einige Kenntniß unſerer Literatur haben und mir den Namen irgend eines Mannes nennen können, der, Amerikaner von Geburt oder Erziehung, unſere Thorheit als Volk auseinander hat und dabei nicht nur dieſe oder jene Partei geißelte, wenn er dabei dem heilloſeſten und brutalſten Gelächter, dem eingewurzeltſten Haſſe und der unerträglichſten Ver⸗ folgung entging— ſo durfen Sie mir glauben, daß Sie meinem Ohr einen ganz neuen Namen nennen. Ich könnte Ihnen freilich in den verſchiedenſten Fällen Bei⸗ ſpiele anführen, wo ein einheimiſcher Schriftſteller es gewagt hat, auf die harmloſeſte und gutmüthigſte Weiſe unſere Laſter oder Schattenſeiten aufzudecken, allein ſtets haben dieſe Leute es für nöthig erachten müſſen, anzu⸗ kündigen, daß in einer zweiten Auflage die Stelle un⸗ terdruͤckt, erläutert und in Lob umgewandelt worden ſey.“


