254 ſo großer Bedeutung,“ entgegnete der Fremde trocken; —„ich habe mir ſagen laſſen, daß der Oberſt gelegent⸗ lich Paketſchiffe entere, um Nachrichten für ſein Journal zu erſchnappen. Ich glaube, er bringt alsdann gelegent⸗ lich auch fremde Gäſte hieher, weil er für ſolche Gefäl⸗ ligkeiten einen kleinen Nutzen von der Wirthin erhält, welche ihm dieſe von dem Betrag ſeiner Wochenrechnung in Abzug bringt. Ich habe Sie hoffentlich doch nicht beleidigt,“ fügte er hinzu, als er inne wurde, daß Mar⸗ tin erröthete.
„Beſter Sir!“ rief Martin und drückte dem Frem⸗ den mit Wärme die Hand;—„ſagen Sie mir nur, wie dies möglich iſt? Die Hand aufs Herz, ich bin— ich kann gar nicht—...“ 8
„Nun ja, Sir, ich begreife,“ verſetzte der fremde Herr, als er ſich neben ſeinem Stuhle niederließ.
„Ich weiß kaum mir zu erklären, wenn ich denn endlich einmal offen ſprechen ſoll,“ ſagte Martin, der ſeines Zögerns und ſeiner Befangenheit nun leicht Herr wurde,—„wie es kommt, daß dieſer Oberſt ſo unge⸗ ſtraft den Schlägen entgeht.“ 1
„Nun ja, er hat ſchon mehrmals Schläge bekom⸗ men,“ entgegnete der fremde Herr ruhig,„er gehört zu jener Menſchenklaſſe, deren Gefährlichkeit und Schmach für das Vaterland unſer trefflicher Franklin ſchon zehn Jahre vor dem Schluß des letzten Jahrhunderts voraus⸗ ſah. Sie wiſſen vielleicht nicht, daß Franklin in ſehr ent⸗ ſchiedenen Ausdrücken ſeine Meinung dahin kund that, daß diejenigen, welche durch Schufte wie dieſe Oberſt geſchmäht würden, aus dem einfachen Grunde, weil ihnen die Ge⸗ ſetzgebung dieſes Landes oder das Schicklichkeitsgefühl und die Billigkeit des Volkes ſelbſt keine hinlängliche Ge⸗ nugthuung geben, in einem ſolchen Falle berechtigt wären, ſolche öffentliche Angriffe mittelſt eines tüchtigen Knittels zu rügen?“.
„Davon wußte ich Nichts,“ ſagte Martin,—„allein es macht mir Freude, dies zu hören und ich halte es des Gedächtniſſes des großen Mannes würdig; um ſo mehr...“


