14
„Ei, du lieber Himmel!“ riefen die beiden Miß Pecksniffs entſetzt aus, und konnten die Augen nicht genug aufreißen ob maßloſer Verwunderung.
„Die Sorge um dieſen einzigen Gegenſtand, meine Lieben,“ hub Frau Todgers auf's Neue an,„hält den Geiſt in unaufhörlicher Spannung; es gibt in der gan⸗ zen Welt keine Leidenſchaft mehr, die an Größe derje⸗ nigen gleichkommt, welche die Herrn vom Handelsſtande für die Fleiſchbrühe empfinden. Wahrhaftig es iſt noch nichts, wenn ich ſagen würde, eine Ochſenkeule würde hinreichen,— behüte, ein ganzer Ochſe wäre erforderlich, um ſo viel Fleiſchbrühe anzuſchaffen, als dieſe Herrn vom Handelsſtande jeden Mittag beim Eſſen verlangen. Was ich deßhalb habe ſchon erleiden müſſen,“ fügte Frau Todgers kopfſchüttelnd hinzu, und ſchlug die Augen zum Himmel auf,„das würde mir kein Menſch glauben.“
„Siehſt Du, Mercy!“ rief Charitas;—„dieſen Herrn geht's gerade wie Herrn Pinch; erinnerſt Du Dich noch, daß wir dieſe gleiche Vorliebe ſtets bei ihm be⸗ merkt haben?“—
„Freilich, mein Liebchen!“ kicherte Mercy;—„aber Du weißt ja, daß ihn das Alles doch nichts geholfen hat.“
„Ach, meine lieben Engelchen!“ verſetzte Fran Tod⸗ gers,—„Sie, die nur mit den Zöglingen ihres Herrn Papa zu thun haben, die nicht viel eignen Willen ha⸗ ben dürfen, können Alles durchſetzen und ihrem eigenen Willen ſolgen; in einem Speiſehauſe für Herren vom Handelsſtande jedoch, wo ein jeder Herr an einem be⸗ liebigen Samſtag ſagen kann:„Frau Todgers, heute über acht Tage ziehe ich aus, weil Sie mir in Betreff des
Käſe meinen Willen nicht thun,“ iſt es keine Kleinigkeit, fein gutes Einvernehmen zu bewahren. Ihr Papa war
heute frühe ſo gütig, ſetzte die gute Dame hinzu,„mich zur Theilnahme zu einer Spazierfahrt einzuladen und ſagte mir, wenn ich mich anders recht erinnere, Sie häͤtten heute im Sinne, bei einer Miß Pinch einen Beſuch zu machen; dieſe iſt vermuthlich eine Verwandte


