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ſeinen gegenwärtigen Platz einzunehmen. Die Treppe hatte nur ein einziges Fenſter und zwar im Erdgeſchoß an der Seite des Hauſes, und eine alte Tradition wußte von ihm zu rühmen, daß es nun wohl ſchon ſeit vier⸗ hundert Jahren kaum mehr geöffnet worden ſey, was auch recht wohl zu glauben war. Das Fenſter öffnete ſich auf ein zu jeder Jahreszeit ſchmieriges Gäßchen und war mit dem Schmutz eines ganzen Jahrhunderts ſo ſehr verdüſtert und bekleidet, daß keine Scheibe heraus⸗ zu fallen vermocht hätte und wäre ſie auch in zwanzig Scherben zerſplittert worden. Das groͤßte Myſterium von Todgers's Speiſehaus beſtand jedoch in den Räumen des Kellers, die nur durch ein kleines Hinterpförtchen und verroſtetes Gitter zugänglich waren. Beſagte Keller⸗ räume hatten ſeit Menſchengedenken in gar keiner Be⸗ ziehung mehr zum Hauſe geſtanden, ſondern waren ſtets das unabhängige zinsfreie Eigenthum irgend eines Un⸗ bekannten geweſen und ſollten der Sage nach voll Reich⸗ thümer ſtecken; allein von welcher Geſtalt dieſe waren, ob ſie in Silber, Kupfer, Gold, Weinfäſſern, oder Ton⸗ nen voll Schießpulver beſtanden— war durchaus nicht zu ermitteln und für Todgers's Speiſehaus und alle ſeine Inſaſſen auch im höchſten Grade gleichgültig.
Deer Giebel des Hauſes allein verdient insbeſondere erwähnt zu werden;— oben auf dem Dache befand ſich eine Art von Terraſſe mit Pfoſten und den Bruch⸗ ſtücken vermoderter Leinen, die urſprünglich die Beſtim⸗ mung gehabt hatten, zum Wäſchetrocknen zu dienen; hier hatte man im Freien etliche Theekiſten aufgeſtellt, mit Erde gefüllt und mit ein Paar verwahrlosten Pflan⸗ zen beſteckt, die jetzt wie alte Spazierſtöcke anzuſchauen waren. Wer es immer über ſich gewann zu dieſer Stern⸗ warte hinauf zu klettern, wurde Anfangs in die größte Ueberraſchung verſetzt, weil er beim Hinaustreten am Deckbalken der kleinen Thüre anſtieß, worauf er gewöhn⸗ lich eine Weile dem Erſticken nahe kam, da er beinahe nothgedrungen durch das Küchenkamin hinunterſehen


