Konzert, und bezahle meinen Reichsthaler Banko. Leſen
ſollen ſie vor Allem nicht mehr, als was nothwendig iſt,
um im Geſellſchaftsleben mit Leichtigkeit und Gewandt⸗
heit über die gewöhnlich vorkommenden Gegenſtände mit⸗
reden zu können. Alle weitere Beleſenheit, alle Virtuo⸗
ſität ſchadet der Frau und rückt ſie über die Sphäre
hinaus, in welcher allein ſie der menſchlichen Geſellſchaft
nützen kann.„Meine ſelige Friederike“ fuhr der Prä⸗
ſident fort, indem ſich ihm eine Thräne ins Auge drängte
—„meine ſelige Frau hatte den Grundſatz, bei der Erzie⸗
hung ihrer Töchter den launiſchen Forderungen der Zeit in Hinſicht auf weibliche Bildung einigermaßen nachzugeben, dabei aber nie etwas von der urſprünglichen Form zu verwiſchen, welche ſie vom Schöpfer für das Weſen und Leben des Weibes beſtimmt glaubte, und dieſe be⸗ ſteht—“ der Präſident, legte hiebei auf jepes Wort ein ſtarkes Gewicht—„in ſtiller Häuslichkeit Milde, Ord⸗ nung, Nachgiebigkeit gegen Andere⸗ Strenge gegen ſich ſelbſt⸗ Fleiß) Genügſamkeit undder Fähiakeit, ſowohl in Geſellſchaft äls in den Alltagsverhältniſſen des Hauſes angenehm zu ſein. Jede Art von Prunk und Prahlerei, jedes kecke, öffentliche Hervortreten, welcher Ratur es auch ſein mg was bei unſern Frauenzimmern leider ſo ge⸗ kielnn iſt, verwarf ſie entſchieden, in der Ueberzegung, daß eine Frau nur in ihrem häuslichen Kreiſe als gute Tochter, zärtliche Gattin und Mutter glücklich, ihrem Schöpfer wohlgefällig und ihren Mit⸗ menſchen nützlich ſein können.“
Ich hörte dieß Alles mit einer Art Erbauung an. Gerne hätte ich einige Bemerkungen gemacht, allein ich wußte nicht den Rang zu befommen.„Gewiß“ fing ich an. Der Präſident unterbrach mich:
„Wäre meine ſelige Friderike noch am Leben, ſo hätten ihre Töchter an ihr das ſichere Vorbild gehabt, nach welchem ſie ſſch zur Vollkommenheit bilden könnten; Gott hat es anders beſchloſſen! Meine beſte Mamſell“— fügte er mit ebenſo viel Wärme, als Ernſt und Güte
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