335
Derartige Betrachtungen ſind wenig geeignet,„den balſamiſchen Schlaf, welcher der müden Natur wieder aufhilft,“ herbeizuführen, und die Strahlen der herbſtlichen Sonne ſchienen hell in die Fenſter, als Louiſe Sydney erſt die müden Augen zum Schlummer ſchloß. Aber auch ſo noch kamen in ihren Träumen die ſchmerzlichen Gedanken vor, die ſie im Wachen beſchäftigt hatten. Wiederum glaubte ſie die Schöne, die ihre Eiferſucht erregte, vor ſich zu ſehen; dieſelbe lehnte ſich auf Stratherns Arm und dieſer ſchien ſo ganz in ihren Anblick verſun⸗ ken, daß er die Anweſenheit ſeiner Verlobten gar nicht beachtete. Louiſe fuhr empor von ihrem Kiſ⸗ ſen, rieb ſich die Augen und meinte beinahe die beiden Perſonen vor ihrem Bett zu erblicken, von denen ſie geträumt.„Es war blos ein Traum,“ murmelte ſie,„aber ach, ein recht trauriger. önnte ich nur die Frau mir aus dem Kopfe bringen!“
Lord und Lady Roehampton drangen ſo ſehr in Strathern, ſie nach Schloß Roehampton zu be⸗ gleiten, daß er zuletzt ihren Bitten nachgab. Er fand in ihrer Geſellſchaft das einzige Gegengift für die Betrübniß, die ihm auf der Seele laſtete, und ſein Gram wurde nicht blos durch die herbe Täuſchung erzeugt, die er in ſeiner Liebe erfahren, ſondern auch durch die Kenntniß der Welt, welche ihm ſeine kürzlichen Verlegenheiten aufgedrungen


