Teil eines Werkes 
4. Bd. (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

333

hätte ſie ihm nicht alles Gute gewünſcht; aber ſo lange ſie ihn für arm hielt und meinte, er habe von Seiten ungeſtümer Gläubiger Demüthigungen jeder Art zu leiden und werde von Noth heimge⸗ ſucht, erſchien es ihr gerechtfertigt, daß ſie ihm Mitleid und Theilnahme ſchenkte; denn ſie redete ſich ein, der Grund davon ſei blos das Mitgefühl, obſchon jene Empfindungen in der Wirklichkeit aus einer weit zarteren Quelle entſprangen. Jetzt aber voten Stratherns Geldverlegenheiten keine Entſchul⸗ digung mehr für das ungemeine Intereſſe, das ſie noch kürzlich an ihm genommen, der Zuſtand ihres Herzens wurde ihr deutlicher als je und es that ihr leid, daß ſie in Zukunft keine Ausrede mehr finden könnte, um beſtändig an ihn zu denken, wenn ſie allein war oder um mit ihrer Mutter von ihm zu reden. Denn das war ſeit einiger Zeit ihre Gewohnheit und es hatte ihr insgeheim nicht wenig Freude gemacht. Nein, der reiche Strathern konnte fürder keinen Gegenſtand ihres Mitleids abgeben und folglich mußte auch ſein Name aus ihren Ge⸗ ſprächen verbannt bleiben. Frau Sydney errieth mit dem Scharfblick und der finesse einer Frau, was in der Seele ihrer Tochter vorging, die letz⸗ tere aber ſaß ſchweigend und nachdenklich da und nahm ein heftiges Kopfweh zum Vorwand, dafür, daß ſie ſo wenig ſpreche. Damit ſucht man ja immer die Niedergeſchlagenheit zu bemänteln. Ob