5 Du gleich mir überzeugt biſt, die Perſon, mit welcher wir in der letzten Nacht meinen Verlobten erblickt, ſei keine, mit der wir ihn hätten ſehen ſollen.“
„Aber was haſt Du für eine Abſicht bei dieſer Zuſammenkunft, mein Kind?“ ſagte Frau Sydney, indem ſie eine Erwiederung auf die Auslegung ver⸗ mied, welche die Tochter ihrem Schweigen gab.
„Meine Abſicht iſt, liebe Mutter, mir Gewalt anzuthun, mir ein ſo ruhiges Ausſehen zu geben, als möglich— mein Stolz wird mich gewiß in Stand ſetzen, zu verbergen, was in mir vorgeht — und ihn, ſoweit dies meine veränderten Geſin⸗ nungen erlauben, gerade wie gewöhnlich empfangen. Dadurch erhält er Gelegenheit, ſich darüber zu er⸗ klären, wer die Perſon iſt, mit der wir ihn ge⸗ ſehen haben.“
„Ach, mein Kind! ich beſorge, er wird ſich darüber weder gegen mich noch gegen Dich aus⸗ laſſen können. Die ruhige Ueberlegung einer Nacht hat mich auf den Glauben gebracht, es liege, es müſſe etwas ſehr Unrechtes in dem liegen, was wir verwichene Nacht mit angeſehen haben. Kein ehrbares Frauenzimmer ließe ſich mit einem andern Mann als mit ihrem Gatten oder Bruder zu ſol⸗ cher Stunde und an einem ſo einſamen Ort allein ſehen. Wir kennen alle Angehörigen der guten


