30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Der Mythos vom„liberalen Frankfurt?
Auf den Spuren der NS-Zeit Lagergemeinschaft in„Galerie der Initiativen“ repräsentiert- Vernetzt in digitaler„Gedãchtnis-Plattform“ des Historischen Museums Frankfurt am Main
Mit dem Smartphone als Navigator kann man in Frankfurt am Main jetzt auf den Spuren der NS-Zeit wandeln. Fine neue App führt zum Beispiel zu den Stolpersteinen und erklärt die Be- deutung dieser kleinen Monumente. Sie führt auch über den Hauptfriedhof zu den Gräbern jüdischer Opfer des deutschen Nationalismus und ebenso zu Gebäuden mit NS-Bezug. Die „Frankfurt History App“ ist Jeil einer neuen digitalen„Gedächtnis-Platt- form“ zur Bewahrung der Erinnerung an die NS-Zeit. Es handelt sich um ein Folgeprojekt der großen Ausstellung „Frankfurt und der NS— Eine Stadt macht mit“, die bis Mitte September 2022 im Historischen Museum Frank- furt Zzu sehen war.
Frankfurt am Main hat sich in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhun- derts immer stolz als liberale und weltoffene Stadt prãsentiert. Poch als die Nationalsozialisten in Deutsch- land die Macht übernahmen, war da- von nicht mehr viel zu spüren. Ob Sportvereine, Kulturbetriebe, Bil- dungsstätten oder soziale Finrichtun- gen, sie alle gingen sehr schnell auf Di- stan?z zur jüdischen Bevölkerung und Schlossen ihre jüdischen Mitglieder aus— oft mit vorauseilendem Gehor- sam noch bevor amtliche Anweisun-
gen ergangen waren. Rund 12.000 Jüd- innen und Juden wurden in den fol-— genden Jahren aus Frankfurt depor- tiert, die meisten von ihnen wurden in den NS-Vernichtungslagern ermordet.
Die Idee des„liberalen Frankfurt“ war nur ein Mythos. Dies ist die nüch- terne Bilanz der Ausstellung„Frank- furt und der NS— Fine Stadt macht mit“. Mein der itel spricht für sich Selbst:„Mitmachen“ kann ja durchaus etwas Positives sein, wenn es sich auf Engagement und Finsatzbereitschaft bezZieht. In der NS-Zeit jedoch wurden die„Mitmacher“ zu Komplizen einer perfiden Vernichtungspolitik. Die Aus- stellung weckte überregional großes Interesse und wurde von rund 30.000 Menschen besucht.
Das Historische Museum Frank- furt beließ es jedoch nicht beim Rück- blick auf᷑ die Vergangenheit. Zeitgleich zur Ausstellung widmete sich das Stadtlabor der„Spurensuche im Heu- te“, was als Brückenschlag in die Ge- genwart intendiert war. Im Mittel— punkt standen Nachwirkungen des NS bis in die heutige Zeit sowie die viel- fach zZu beobachtende Kontinuität von Diskriminierung und Ausgrenzung und schließlich eine kritische Ausein- anderset?ung mit der deutschen Prin- nerungskultur. Zugleich bot eine„Ga-


