Heft 
(2022) 1/2022. Dezember 2022
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30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Der Mythos vomliberalen Frankfurt?

Auf den Spuren der NS-Zeit Lagergemeinschaft inGalerie der Initiativen repräsentiert- Vernetzt in digitalerGedãchtnis-Plattform des Historischen Museums Frankfurt am Main

Mit dem Smartphone als Navigator kann man in Frankfurt am Main jetzt auf den Spuren der NS-Zeit wandeln. Fine neue App führt zum Beispiel zu den Stolpersteinen und erklärt die Be- deutung dieser kleinen Monumente. Sie führt auch über den Hauptfriedhof zu den Gräbern jüdischer Opfer des deutschen Nationalismus und ebenso zu Gebäuden mit NS-Bezug. Die Frankfurt History App ist Jeil einer neuen digitalenGedächtnis-Platt- form zur Bewahrung der Erinnerung an die NS-Zeit. Es handelt sich um ein Folgeprojekt der großen Ausstellung Frankfurt und der NS Eine Stadt macht mit, die bis Mitte September 2022 im Historischen Museum Frank- furt Zzu sehen war.

Frankfurt am Main hat sich in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhun- derts immer stolz als liberale und weltoffene Stadt prãsentiert. Poch als die Nationalsozialisten in Deutsch- land die Macht übernahmen, war da- von nicht mehr viel zu spüren. Ob Sportvereine, Kulturbetriebe, Bil- dungsstätten oder soziale Finrichtun- gen, sie alle gingen sehr schnell auf Di- stan?z zur jüdischen Bevölkerung und Schlossen ihre jüdischen Mitglieder aus oft mit vorauseilendem Gehor- sam noch bevor amtliche Anweisun-

gen ergangen waren. Rund 12.000 Jüd- innen und Juden wurden in den fol- genden Jahren aus Frankfurt depor- tiert, die meisten von ihnen wurden in den NS-Vernichtungslagern ermordet.

Die Idee desliberalen Frankfurt war nur ein Mythos. Dies ist die nüch- terne Bilanz der AusstellungFrank- furt und der NS Fine Stadt macht mit. Mein der itel spricht für sich Selbst:Mitmachen kann ja durchaus etwas Positives sein, wenn es sich auf Engagement und Finsatzbereitschaft bezZieht. In der NS-Zeit jedoch wurden dieMitmacher zu Komplizen einer perfiden Vernichtungspolitik. Die Aus- stellung weckte überregional großes Interesse und wurde von rund 30.000 Menschen besucht.

Das Historische Museum Frank- furt beließ es jedoch nicht beim Rück- blick auf᷑ die Vergangenheit. Zeitgleich zur Ausstellung widmete sich das Stadtlabor derSpurensuche im Heu- te, was als Brückenschlag in die Ge- genwart intendiert war. Im Mittel punkt standen Nachwirkungen des NS bis in die heutige Zeit sowie die viel- fach zZu beobachtende Kontinuität von Diskriminierung und Ausgrenzung und schließlich eine kritische Ausein- anderset?ung mit der deutschen Prin- nerungskultur. Zugleich bot eineGa-