Heft 
(2022) 1/2022. Dezember 2022
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29

am Konferenztisch antraf. Er war ein engagierter Bhemann und Vater, und seine Liebe für seine Familie war im- mer sehr deutlich zu spüren. Es mach- te Spaß zuzusehen, wie genau Dorka seine Arbeit verfolgte und wie sie sich hinter den Kulissen einbrachte. Wenn sie hin und wieder mit Noneks Aktio- nen nicht ganz einverstanden war, war es ihre Weise, indirekte und diskrete Finmischung, die seine Ansichten be- einflusste. Sie war in der Tat die Frau, die hinter dem Mann stand.

Im Laufe der Jahre haben Nonek Flug, Marian Turski und ich, die drei überlebenden Klassenkameraden der Ghettoschule von Lodz, den Spitzna- menDie drei Musketiere bekom- men. Symbolisch stimmt das... wir drei waren die einzigen Uberlebenden unserer Schulklasse... drei Soldaten, die bereit, willens und in der Lage wa- ren, für Gerechtigkeit Zzu kämpfen. Ja, wir waren Soldaten im Kampf um Ge- rechtigkeit, und Nonek trug die größ- te Kanone. Es hat etwas Ironisches, dass wir geographisch voneinander ge- trennt wurden: Nonek Flug, der Sozia- list, in Israel; Marian Turski, der politi- sche Denker, in Polen; und ich, der Kapitalist, in den USM. Ja, wir waren Fre unde, und wir dachten und handel- ten wie eine einzige Person. Wir waren tatsächlichDie drei Musketiere.

Figenartigerweise feuerte Noneks Waffe aber Worte statt Kugeln. Er Stand ständig an vorderster Front, um habgierige Anwälte, jüdische Organi- Sationen und jeden anderen zur Rede zu stellen, der zuließ, dass das Streben nach Gerechtigkeit durch Habgier be-

sudelt wurde. Er entlarvte furchtlos diejenigen, die gemischte Motive hat- ten oder persönliche Interessen ver- folgten, und Menschen, die im Namen der Gerechtigkeit für die Uberleben- den das Wort ergriffen, aber nur theo- retisch und ohne praktischen Bezug argumentierten. Das ist es, was ich von Noach gelernt habe: Zielstrebigkeit. Wenn man für eine gerechte Sache kämpft, muss man für sie kämpfen. Man darf nicht aufgeben. Und das ha- ben wir nie getan.

Das WortIntegrität ist wie ge- schaffen, um Nonek Flug zu beschrei- ben. Er hat ein Lob wie dieses mehr als verdient, denn sein ganzes Leben lang hat er immer im besten Interesse der Holocaustüberlebenden gehandelt, und er war der eloquenteste, hart- nãckigste und unermũdlichste Fürspre- cher für die Bewahrung des Gedenkens an den Holocaust und für das Er- schließen neuer Möglichkeiten, um notleidenden Uberlebenden zu helfen. Er wusste, dass man meist einen Preis dafür zahlen musste, die Wahrheit aus- zusprechen. Aber er war bereit diesen Preis Zzu bezahlen, und oft hat er das ge- tan. Er war in der Jat ein Musketier... ein Soldat mit unbeugsamem Willen, der bereit war, es mit jedem aufzuneh- men, um das Gedenken an den Holo- caust am Leben zu erhalten und den Bedürftigen zu Hilfe zu kommen.

Er fehlt mir vom ganzen Herzen. Daher möchte ich ihm noch dies eine sagen:Schalom Haveri Haikar, Lhitraot Baolam Haba. Auf Wiederse- hen, liebster Kamerad... ich hoffe, wir sehen uns im Jenseits wieder.