26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
schädlich(und wie alles, was die Deut- Schen taten, bewusst teuflisch) denn es ereugte eine intensive Wettbewerbs- stimmung, die niemandem diente— außer den Deutschen. In den Klei- dungsfabriken waren die Probleme bes onders akut. Port gab es in erster Linie Arbeiterinnen, die meisten da- von Mütter. Diese fürsorglichen Frau- en wollten die zusätzlichen Lebens- mittel für ihre Kinder. Dadurch starben viele von ihnen frühzeitig an Erschöpfung— manche Frauen starben unmittelbar an ihren Nähmaschinen, wãhrend sie sich gerade bemühten, für eine winzige Zugabe an„Ersat?zbrot“ Meterware so schnell wie möglich zu— sammen zu nähen.
Im Leder- und Sattlerressort, in dem wir arbeiteten, war die Lage ganz anders. Sie war einzigartig, weil die meisten Arbeiter Jugendliche waren, die Rucksäcke, Gürtel und allerlei Le- derwaren und Zubehör fürs deutsche Heer nähten. Alles haben wir von Hand gemacht, und obwohl keiner von uns anfangs nähen konnte, haben wir schnell gelernt und wurden ziem- lich geschickt darin.
Kaum hatten wir den Dreh aber heraus, da meldeten unsere Ausbilder die Produktionssteigerung dem Di- rektor. Ehe wir uns versahen, setzte er uns unter Druck, die Anzahl der täg- lich produzierten Finheiten zu stei- gern. Es dauerte nicht lange, da er— kannten wir, dass wir uns organisieren und das Tempo drosseln mussten, wenn wir nicht, wie die Frauen in der Kleiderfabrik, vor Erschöpfung an un- seren Arbeitsplätzen sterben wollten.
Außerdem wurde uns klar, je weniger Rucksäcke und anderes Zubehör wir anfertigten, desto weniger Rucksäcke konnten an die feindlichen Truppen ausgehändigt werden.
So haben wir uns zusammenge- Schlossen, die„Zwangsarbeiter-Skla- venarbeiter- Gewerkschaft“ gegründet und eine Grundlage für den Wider- stand gegen die deutsche Kriegsma- schinerie geschaffen. Unsere Anfüh- rer, die für die Koordination der Solidarität unter den Arbeitern zu- ständig waren, bestanden ausschließ- lich aus Teenagern wie mir, darunter einige meiner engsten Freunde: No- nek Flug, Niutek Radzyner, Sonn- abend, und Rysiek Podlaski. Uns war klar, dass wir nicht mit der Produktion aufhören durften, weil man uns sonst deportieren oder umbringen würde. Daher mussten wir, als wir unseren Bummelstreik planten, an Rysieks Vater denken, an die anderen Fabrik- direktoren und an Biebows Reaktion auf das, was wir vorhatten.
Biebow war streng, schonungslos und stellte hohe Anforderungen. Men- Schen wie er begriffen und verstanden, viel mehr noch als die zuständigen Deutschen, das Ausmaß des wirt- schaftlichen Nutzens der jüdischen Zwangsarbeiter in den Ghettos. Jedes Mal, wenn er die Fabrik besuchte, folg- ten noch strengere Vorschriften und Forderungen nach einer Produktions- steigerung. Man kann gut verstehen, dass wir immer erschauderten, wenn er eine„Stippvisite“ machte.
Nonek und ich selber waren, als zwei der Organisatoren, in einer be-


