Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15
Bericht von der Generalversammlung des IAK Seid nicht gleichgültig, Gleichgültigkeit tõötet
Nach über sechs Jahren fand vom 4.-7. September 2022 wieder eine Generalver- Ssammlung des Internationalen Auschwit?-Komitees in der Internationalen Jugend- begegnungsstätte(IB8) in Oswiecim statt. Für die Lagergemeinschaft nahmen der Vorsit?ende Gerhard Merz und Vorstandsmitglied Prof. Dr. Sascha Feuchert teil. Die Generalversammlung wurde zu einer eindrucksvollen Standortbestimmung des IAK und seiner Mitgliedsverbände zu den brennenden Fragen der Zukunft der Brinne- rung. Diese Fragen werden vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges noch drän- gender(und teilweise kontroverser, vgl. dazu den Artikel„Krieg und Frinmerung“ in diesem Heft). Wir drucken im folgenden- mit freundlicher Genehmigung des IAK in Auszũgen die Beobachtung der Kollegin Michaela RoZov aus der Tschechischen Republik, die genau diese Aspekte intensiv beleuchtet und die den Blick õffnet auf die internationale Vieffalt der Erinnerungen und Frinnerungskulturen.(gm)
Das Engagement der zweiten Generation
Beobachtungen von Michaela Rozov, Mitglied der Delegation des
Auschwitz-Komitees der Tschechischen Republik
Zusammen mit dem tschechischen Auschwitz-Komitee fahre ich nach Auschwit? zum Kongress des Interna- tionalen Auschwit?-Komitees(IAK), der ältesten Organisation von Ausch- witz Uberlebenden, die 1952 gegrün- det wurde und Dutzende von Organi- Ssationen und Instituten koordiniert, die sich mit dem Erbe des Holocaust in Furopa befassen. In diesem Jahr nehmen Delegationen aus 11 Ländern an der Versammlung teil.
Wir kommen am Abend an und checken in einem schönen Hotel im Zentrum des historischen Oswiecim ein. Ich fühle mich hier unwohl, Schließlich sind wir nur weniger als zwei Kilometer von dem Vernich- tungslager entfernt, in dem andert- halb Millionen Menschen, die große
Mehrheit von ihnen europäische Ju— den, aber auch politische Gefangene, russische Häftlinge, Kommunisten, Homosexuelle und Roma, in Gaskam- mern, aber auch durch Hunger, Kälte und Terror umgebracht wurden. Mit den Menschen ging hier die letzte Hoffnung auf ein normales, fort-— Schrittliches FEuropa zugrunde, als Hit- ler Stalin die Hand reichte, wurden die let?ten Plãne der Aufklärung end- gültig zunichte gemacht. Der zweite Weltkrieg endete vor 73 Jahren, aber Seine negativen geopolitischen Folgen Sind bis heute zu spüren, denn gerade jet?t tobt in Buropa ein Krieg, nur we- nige hundert Kilometer entfernt, ster- ben wieder Menschen, verstecken sich in Bunkern vor Bombenangriffen, lei- den unter Angst und Mangel. Parun-


