Heft 
(2022) 1/2022. Dezember 2022
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16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

ter auch die letzten Uber- lebenden des Holocaust in der Wkraine.

(..) Beim Begrüßungs- dinner vor der Fröffnung der Versammlung suche ich vergeblich nach den Ge sichtern der Uberlebenden, den hervorragenden Lei- tern dieses politisch fort Schrittlichen internationa- len Komitees, an die ich mich noch aus der Vergangenheit erin- nere und die vor sechs Jahren, als ich das letzte Mal hier war, noch an der Spitze dieses Forums standen- außer unserem tschechischen Delegierten Felix Kolmer fehlt von den damals noch lebenden zum Beispiel Roman Kent und Esther Bejarano. Es ist trau- rig, und obwohl es noch Uberlebende unter uns gibt, zum Beispiel die un beugsame Tänzerin und große Schrift Stellerin Eva Fahidi aus Ungarn und ihren Ehemann, ist es klar, dass die Zeit gekommen ist, in der die zweite und nächste Generation die Verant- wortung für die Brinnerung und das Erbe des Holocaust übernehmen muss.

Beim Abendessen mit der öster- reichischen Delegation ist für mich ein Platz frei, ich treffe alte Bekannte. In letzter Zeit haben sich die Osterrei- cher beim Gedenken an den Holo caust hervorgetan, was vor allem der großen Energie von Hanna Lessing zu verdanken ist, der Keiterin des Allge- meinen Entschädigungsfonds für Op fer der nationalsozialistischen Verfol- gung in Osterreich, die die treibende Kraft hinter den wichtigsten Aktivitä- ten im Bereich des Holocaust-Geden-

Michacla Rozov

kens und der Verteidigung der Menschenrechte in Osterreich ist. In ihrer Amts?eit wurde ein Schlüs- selprojekt des Uberleben- den Kurt Vakov Tutter, Steinmetz und Bildhauer, fertig gestellt, ein Mahnmal für die Opfer wurde im Zentrum Wiens errichtet- eine Steinmauer mit einge- meißelten Namen von rund 65.000 ermordeten österreichischen Juden. Und hier in Auschwitz, im Stammlager, wurde eine neue Ausstel- lung über den Holocaust an den õster- reichischen Juden eingerichtet.

Schreckliche Familiengeschichte Müde von der Reise und einem defti- gen polnischen Abendessen kehren die meisten Delegierten ins Hotel zurück, aber die immer fröhlichen Gsterrei- cher gehen noch auf den Platz in Os- wiecim, wo gerade ein Musikfestival Stattfindet. Auschwit? ist lebendig, und obwohl es eigentlich normal ist, fällt es mir schwer, das zu akzeptieren, ich schäme mich, ich könnte dort nie le ben, außerdem ist selbst ein einfacher Besuch hier deprimierend für mich. Drei Familienangehörige meines Va- ters sind hier gestorben, zwei haben überlebt, aber der Preis war schreck- lich. Vaters Jante Vera Platovskä-Berli- nerovã sah mit eigenen Augen die Er- mordung ihres in Auschwit? geborenen Kindes(ein SSMann packte das ver- Steckte drei Monate alte Baby und schlug seinen Kopf gegen die Wandh), Vaters Onkel Milan Platovsky verlor hier seine Mutter Ruzena und seinen