Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23
von Auschwit?z durch die Sowjetarmee am 27. Ja- nuar 1945 bereits Gegen- stände aus der Grube entwendet oder durch— wühlt wurden. Der Hi- Storiker Pavel Polian geht in seinem Buch In mme midst ofhell(Moscow 2016) davon aus, dass im Februar das Lagergebiet marodierenden Schatz- suchern aus der lokalen Bevölkerung überlassen worden sei, bevor im März 19435 ein Internie- rungslager für Deutsche eingerichtet wurde und das Gelände überwacht war. Die ehe- maligen Sonderkommando-Häftlinge Shlomo Dragon, Henryk Tauber und Henryk Mandelbaum befanden sich nach ihrer Flucht bereits im Februar 1945 wieder auf dem Lagergelände und sagten vor einer Sowjetischen Un- tersuchungskommission aus. Anfang März fand Dragon geheime Aufzeich- nungen Salmen Gradowskis in einer Aschegrube bei Krematorium JI. Mandelbaum erinnerte sich an Schatzsucher in jener Zeit:„Jch sah Lelte den Erdboden durchsuchen und Umgraben, im Wäldchen nahe dem Kremdtorium.“ Tatsächlich wurde das Gelãnde bereits vor der Befreiung sy- stematisch durchsucht. Der Sonder- kommando-Uberlebende Shlomo Ve- nezia schrieb darüber in seinen Brinnerungen:, Ich hatte die Zdhne bei der Durchsuchung des Hofß des Kre- matorilims gefunden. Wir wlssten, duss
Henryk Mandelbaum, Fe- bruar 1945(RGVA)
die Mdnner des Sonder- Kommandos für gewöhn⸗ lich Wertobjelte veystecl- ten, indem„ie diese vergruben.(..) Alles wds wir fanden, teilten wir so⸗ fort unter uns auf Wdhnrend der eine Suchte, vand der andere Wache.*
Auf dem Gelände befanden sich neben die- 6 ser Müllgrube vermut-
lich ein Dutzend wei-
tterer Gruben, in denen
bis Sommer 1944 hauptsächlich die Asche der Ermordeten vergra- ben wurde. Im Herbst 1944 wurden die meisten alten Gru— ben wieder geöffnet und die Men- schenasche wurde in die Weichsel ge- schüttet.
Die vom Sonderkommando ver- heimlichten Gruben sollten später als Beweise der Verbrechen dienen. Mög- licherweise steht die hohe Anzahl der Gruben auf dem Gelãnde von Krema- torium II in direktem Zusammenhang mit dem vermehrten Vergraben von geheimen Aufzeichnungen und Be— weismitteln auf diesem Gebiet. Offen- bar alle bekannten und nach Kriegs- ende aufgefundenen Handschriften, die vom Sonderkommando versteckt wurden, fanden sich dort.
Von der Belegschaft des Kremato- riums I überlebte kein Häftling, der Hinweise zu Verstecken geben konnte. Polian zufolge seien aufgrund „Schwarzer Archäologie' viele ver- steckte Aufzeichnungen zerstört wor-


