Heft 
(2016) 1/2016. September 2016
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8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

zu lassen, konnte sie sich nicht vorstellen, jemals nach Deutsch- land zu reisen. Die Lücke, die durch Shlomos Tod am 1. Okto- ber 2012 entstand Sowie ihre po- sitiven Erfahrungen mit Deut- Schen änderten ihre Vorbehalte in den letzten Jahren allerdings. Jeden Jag gibt es etwas, wus mel- nen Mann an das Lager erinnert jeden Jag. Daher gehört es eben auch zu meinem Leben, sagte sie seinerzeit. Die Erinnerungen

Shlomo Venezia und Luigi Sagi, Begleiter seiner er- sten Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Sohn eines Opfers des Sonderkommando-Aufstandes.

Foto: M. Kilian 1997

licht und damit zum am häufigsten übersetzten Sonderkommando-Be- richt. Mit 57 Gedenkstättenfahrten nach Auschwitz war Shlomo Venezia der zweite Sonderkommando-Uber lebende, der nach seiner Befreiung s0 zahlreich an seinen Leidensort zurückgekehrt war und am Fatort über die Mordfabrik als direkter Au- genzeuge berichtete(Henryk Man- delbaum doppelt so häufig). Seit 1993 wurde er dabei meist von Marika be- gleitet, die über ihre erste Reise sagt, sie habe sich gefühltals wenn ich Schon da gewesen wäre.

Als Marika im März 2002 erstmals bereit war, ihre Geschichte für das Buch Zeugen aus der Vodeszone publizieren

sind Marika geblieben.

Seit Shlomos Tod begleitet sie vier Mal im Jahr italienische Gruppen nach Auschwitz. Dann wird sie Zu Shlomos Stimme und erfüllt damit seinen letzten Willen, im Gedenken an die Opfer authentisch darũber zu berichten, was in den Mord- stätten Auschwit?-Birkenaus geschah.

Während weltweit nur noch drei ehemalige Sonderkommando-Häft- linge das Geschehen bezeugen kön- nen, ist Marika Venezias selbstlose Aufklärungsarbeit gegen Revisionis- mus, Auschwitz-Leugnung und Anti- semitismus ein ehrenwertes Vorbild im Engagement für Menschlichkeit, Toleranz und Versõhnung.

Der viertletzte und jüngste der Uberlebenden, Morris Kesselmann, Starb S9 jährig am 11. Mai 2016.

Andreas Kilian

PS: Fin Kurzportrait Shlomo Venezias erschien kürzhch in dem beeindruckenden Bildband KZ iherlebt von Stefan Hanke(Hatj Cantz Verlag 20160). Die gleichnamige Ausstellung ist noch bis zum 6. Januar 2017 im Dokumentationszentrum Reichspartei- tagsgelände Nürnberg und von Januar bis März 2017 im Museum Auschwitz zu sehen.