Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7
sie sagt auch:„Das habe ich mir ausge- vMcht. Er Sollle nur glüicklich vein.“ Die Geburt ihrer Kinder habe sie als eine Botschaft aufgefasst und ihren Mann mit den Worten„Di hdst gewonnen““ aufbauen wollen.
Marikas Bericht handelt nicht nur von den Auswirkungen des Sonder- kommando-Traumas auf die Famili- enangehörigen, wie dies schon Karl Fruchtmann in seinem filmischen Meisterwerk Fin einfacher Mensch (D 1985) über die in Israel portrãtier- te Familie Vakov Zylberbergs getan hat, Ssondern insbesondere von der in- nigen Liebe zu Shlomo Venezia. Er war 30 Jahre alt und sie 15 als sie sich kennen- und lieben gelernt hatten. Bis zu seinem Tod waren sie 56 Jahre lang verheiratet und unzertrennlich.
„JCn hätte alles für ihn gemacht, damit er zufrieden ist, damit er berl— higt vein Sollꝰ, Sagt sie, als wenn es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre. Sie spricht für eine Generation Bhefrau, mit der sich gegenwärtig nur noch wenige identifizieren können. Marika, die selbst bei ihrer Großmut- ter aufwuchs, erinnert sich voller Be- wunderung und Verehrung:„Für mich war er alles. Mutten Vaten Br den“ Mit dem lebenserfahrenen und KZ traumatisierten Mann sei sie„alt geworden in einem Moment, aber ich wolle Keinen anderen“, Schwärmt sie. Shlomo sei ein„sehr guter Mann* ge⸗ wesen, fasst Marika zusammen.„Er hat ⁊wanzig Jahre fiir mich gekocht er war S0 Perfelktionistisch und ordentt lich, immer gut gekleidet und hat mir Sehnr viel geholfen.“ Sie gewährt dem
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Hochzeitsfoto 1956.(Familienbesitz Venezia)
Publikum Finblicke in ein Privatle- ben nach der Todesfabrik, wie das an- Satzweise bereits dem Hilm von And- rzej Gajewski über Henryk Mandel- baum(PI 1991) gelungen ist. Shlomo Venezia sei eine starke Persõnlichkeit gewesen, die ihre Kinder sehr streng aber lie bevoll erzogen habe. In sei— nem 2008 auch auf Deutsch erschie- nenen Buch Meine Arbeit im Sonder- Kommando Auschwitz dankt Shlomo seiner Frau für die Kindererziehung wiederum mit den Worten:„ Ich hatte das große Glick, eine sehr intelligente Frau zu haben, die das alles für mich ihernommen hat.“ Inzwischen wurde das Buch in 23 Sprachen veröffent-


