Heft 
(2016) 1/2016. September 2016
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6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Zeugin des Zeugen

Uber ein Familienleben mit Auschwitz nach der Befreiung

Vor 60 aufmerksamen Zuhörerin- nen fand am 29. Juni dieses Jahres im Kulturzentrum zakk Düsseldorf ein bewegendes Zeitzeuginnen-Gespräch Statt, das vom Bildungswerk Stanislaw Hantz(Kassel) organisiert und von Roland Vossebrecker einfühlsam mo- deriert wurde.

Nach 19 Monaten reiste die 77 jährige Italienerin Marika Venezia zum zweiten Mal nach Deutschland, um öffentlich über ihr Leben mit Auschwit? als Witwe des ehemaligen Sonderkommando-Uberlebenden Shlomo Venezia zu berichten.

Marika war regelrecht mit Ausch- wit? verheiratet. Sie bezeichnet sich Selbst alsZeugin des Zeugen':Jch hab gesehen, er wur immer ein bisschen traurig. Aber ich habe ihn nicht gefragt. Shlomo bezeichnete seinen Zustand im Dokumentarfilm SMlaven der Gas- ammer(SWR 2000) selbst als Krankheit ohne Namen. Doch man habe damals nicht darũber gesprochen, Sagt sie lakonisch. Eine Heilung für die Krankheit fanden sie auch nicht. 15 Jah- re lang habe sie nicht genau gewusst, was ihr Mann in Auschwit? gemacht habe. Erst später erfuhr sie langsam von seinen Aufgaben im Entkleidungs- raum des Krematoriums, den Räumun- gen der Gaskammer, vom Festhalten der Erschießungsopfer, Haareschnei- den der vergasten Frauen und Zer stampfen der Knochenreste.Jch Konnte das nicht einmal glauben. Jch

Marika Venezia und Roland Vossebrecker in Düsseldorf. Foto: Kilian 2016

hatte noch nie S0 etwus gehört(..) ind Konnte das nicht vemtehen*, kommentiert sie das Gehörte heute noch fas- sungslos. Ihre

drei Söhne er-

fuhren von Shlo- mos Erlebnissen f 1

Sogar erst aus ei- ſitt nem 10-minüti- Shlomo Venezia(1923 gen TV-Beitrag. 2012) Aufnahme von Seine schreckli- 1997. Foto: A. Kilian

chen Alpträume, die Folgen seiner aus dem Lager stammenden TBC-Erkran- kung, seine Freudlosigkeit und Zurũckgezogenheit ertrug Marika wie eine unveränderbare Gegebenheit, aber sie räumt auch ein:Es war fir mich Schwer als junges Mädchen.(..) Nie sind wir tanzen gegangen, nichts Verriicktes haben wir gemacht. Aber