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(2012) 1/2012. Dezember 2012
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 47

chend keinen Nutzen ver- Sprachen.

Was ist aus den Haupt- tätern von Hadamar ge- worden? Dr. Bodo Gorgaß wurde von einem US-Ge- richt Zzum Jode verurteilt. Dieses Strafmaß wurde 1949 von einem deutschen Gericht in lebenslange Haft und 1956 in 15 Jahre Haft umgewandelt. Im Fe- bruar 1958 wurde dieser Mörder entlassen. In Bielefeld fand er ei- ne Anstellung als wissenschaftlicher Mit- arbeiter eines Pharmaunternehmens.

Dr. Adolf Wahlmann, Leiter der Ha- damer Tötungsanstalt wurde zu lebens- langer Haft verurteilt, 1953 begnadigt und entlassen. Er durfte in seinem Be- ruf mit allen seinen Erfahrungen aus der Vergangenheit im Dritten Reich weiter- arbeiten. Man könnte diese Liste über das Spãtere Schicksal dieser mordenden Kreu?elmacher fortsetzen. Die ge richtliche Verfolgung ging als Farce und weiterer Schandfleck in die deutsche Geschichte ein. Welch furchtbare Juri sten und Politiker waren es, die solche milden Urteile fällten und Begnadigun- gen verfügten?

Dagegen müssen die mit Glũck über- lebenden Opfer für ihre Anerkennung im Sinne des Bundesentschädigungsge- Set?es kämpfen, da sie nicht als rassisch, religiös oder politisch verfolgt aner- kannt wurden. Die mörderischen Quäle- reien fielen nicht unter das Gesetz. Da- gegen konnten die meisten der an der Futhanasie beteiligten Ordinarien wei- terhin lehren und als Arzte arbeiten. Selbst Mediziner, von denen bekannt war, dass sie tausende Opfer vergast hat- ten, durften weiterhin praktizieren, als

Finer der Seziertische ist erhalten geblieben.

wãre nie etwas geschehen.

Dazu noch eine Aussage eines Chef- ar?ztes einer Stãdtischen Klinik, der selbst Tõtungsarzt war, von einem Landgericht als Zeuge geladen:Die Autobahnen, Futhanasie und eugenische Bestrebun- gen waren das Beste, was Hitler geleistet hat.*** Es dauerte bis September 2010, bis sich die Peutsche Gesellschaft für Kinder- und Mugendmedizin in einer Er- klärungin Demut vor den Opfern verneigte, das heißt, vor den mehr als 10.000 Kindern und Jugendlichen, die im Dritten Reich alslebensunwertes Le- ben vernichtet wurden. Von Entsetzen war in der Erklärung keine Rede. Ge- trauert um die Opfer wurde nicht, ledig- lich bedauert.

Schließen möchte ich mit einer jũdi- Schen Weisheit: Nur das bewusste Frin- nern zur Menschlichkeit im Denken und Handeln befähigt Zur Menschlichkeit im Alltag gegenüber anderen, der Hilfe, AkZeptan? und Respekt brauchen.

Alexander Wolf

Weitere Informationen: www¶.gedenkstaette-hadamar. de und www.gedenkort-

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