Heft 
(2012) 1/2012. Dezember 2012
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46 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

derengesunde Bevölke- rung wirtschaftlich etwas herausspringen. Die Joten wurden seziert. Der Arzt entnahm den Ermordeten die Goldzähne und oft auch für Experimente das Gehirn. Erst danach wur- den die Leichen verbrannt. Dafür gab es in Hadamar zwei Ofen. EFiner ist noch vorhanden.

Pin Schauerliches Spektakel spielte sich ei nes lages bei einerJubiläumsfeier im Keller ab: Hierzu hatte bereits beim ge- meinschaftlichen Mittagstisch der T4- Arzt Dr. Berner eingeladen und am Abend versammelte sich das Personal im Keller, um den 10.000. Leichnam zu verbrennen. Jeder bekam im Angesicht eines aufgebahrten Mannes eine Flasche Bier, alle prosteten sich zu und die Hei- zer, auch als Brenner bezeichnet, scho- ben den toten Kõrper in den Ofen.

Der Besichtigungsrundgang endete auf dem Friedhof oberhalb der Tötungs⸗ anstalt. Dort befinden sich Massengrä- ber aus den Jahren 1942 bis 1945, als die Toten nicht mehr verbrannt wurden. Die Leichen mussten Patienten der Anstalt über steile Treppenstufen hinauftragen.

Erfahrung für Auschwitz

Um alle diese Mordaktionen durch- führen und planen zu können, war es er- forderlich, dass sowohl Beamte, Wissen- schaftler, Arzte, Richter, Staatsanwälte, SoZialverbände als auch Vertreter beit der Kirchen zusammenarbeiteten, auch wenn später Proteste seitens der Kir- chen erhoben wurden.**

Die rekonstruierte Busgarage ist Teil der Gedenkstätte

Der Rauch aus den Verbrennungsõ- fen von Hadamar war bei Schönem Wet- ter bis nach Frankfurt zu schen. Die Er- fahrungen, die von den Tätern und ihren willigen Helfershelfer in den Futhana- sie-Tötungsanstalten gemacht wurden, sind später perfektioniert worden- in den Vernichtungslagern im besetzten Polen(Chelmno, Belzec, Sobibor, Ireb- linka, Majdanek, Auschwitz-Birkenau).

Als die groß angelegten Gasmorde des Futhanasieprogramms in Deutsch- land aufgrund von Protesten von Fami- lienangehörigen und Vertretern der Kir- chen vorübergehend gestoppt wurden, ging das Morden an den Patienten trotꝰ⸗ dem weiter- durch Nahrungsentzug, die Uberdosierung von Medikamenten und mit Spritzen. Einer der Ofen in Hada- mar wurde in das Konzentrationslager Majdanek gebracht und kam dort zum Finsat?. Die andere Verbrennungsanla- ge wurdezurückgebaut.

Den Futhanasie-Morden fielen kei neswegs ausschließlichGeisteskranke zum Opfer, sondern auch Arbeitslose, Alte, Nichtsesshafte, Alkoholiker, also Menschen, die der Ideologie entspre-

** Am helcanntesten vind die Predigten(I4) des Münsteruner Bischofß Graf von Gulen

gegen die Futhanasie.