Heft 
(2012) 1/2012. Dezember 2012
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7

Sistisch diskriminiert worden bin, war ich natürlich Feuer und Flamme für die antifaschistische Sache, die Trun- kenheit der Jugend, wie Goethe, der Wetzlar während seines Aufenthalts hassen lernte, es ausdrücken würde. Es wurden Flyer gedruckt, ein paar wenige Veranstaltungen kamen zu stande, aber so wirklich interessierte man sich nicht für uns.

Anders erging es dem Bindnis gegen Nazis Wetzlan Es war in dieser Hinsicht deutlichpublikumswirksa- mer. Man erwartete dort allerdings nicht, dass die Neonazis, die sich eher sehr dumm anstellten, handgreiflich werden würden. Man meinte, dass sie es belassen würden bei Parolen, ledig- lichen Androhungen von körperli- cher Gewalt und Mahnwachen sowie Gummibootausflügen mit Banner und Bier auf der Lahn anlässlich des Todestages von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. Weit gefehlt. Es kam zu einem Brandanschlag auf das Haus des katholischen Diakons, der Ge- schehnisse um Wetzlar, so auch neo- nazistische Aktivitäten, filmisch do- kumentierte. Die Familie des Dia- kons entkam nur um Haaresbreite dem Feuertod. Die Reaktionen hat- ten einen lokalprotektionistischen Charakter: Wetzlar und Umland wur- den alsbunt bezeichnet, was mei- ner Meinung nach eine rassistische Implikation hat.

Es wurde mit einem Schweige- marsch demonstriert, an dessen Ende der Landrat mit rotem Kopf ein kla- res Vorgehen gegen Nazis prokla- mierte. Im Endeffekt passierte aber nach den gerichtlichen Verurteilun- gen der Beteiligten gar nichts, man

hatte ja alles richtig gemacht. Heute, im Oktober 2012, sind in Wetzlar er- neut Aufkleber zur finden mit der gan?z besonderen Botschaft:Wir sind Feuer und Hamme für den Antifa schismus.

Die vielen ismen- wie Rassismus sind keine Randerscheinungen. Ge- rade weil sie in der Mitte der Gesell- schaft präsent sind, gehören sie auch zu Wetzlar. Ich betone das, weil ich als Betroffener dieses Gedankengutes Sensibilisierter bin für die Präsenz des gefühlt gemachten Andersseins als Leute, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben.

Ich erlebte das in der Schule oder bei den Fußballspielen meines Vaters. Er wurde nicht mit seinem Vornamen angesprochen; dieVolksdeutschen empfanden das WortFürke als pas- sender, wahrscheinlich, ohne sich der Implikationen ihrer Wortwahl über- haupt bewusst zu sein oder sein zu können. Sagt man es ihnen, sind sie beleidigt. Absurd.

Es ist mir also ein persönliches Anliegen, auf derartige Missstände hinzuweisen und darüber informiert zu sein. Dies ging auch mit politischer Bildung einher. Mehr und mehr konnte ich das Thema der Diskrimi- nierung umreißen. Es betraf nicht nur mich. Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus, Sexismus, soziale Angste allgemein, verdrängende, abwehren- de Frinnerungspolitik, all dies schien einen Kanon zu bilden. Deshalb mus- ste meine erste Wahl auf das Studien- fach SozZiologie fallen.

Uber einen guten Freund und Mit- studenten wurde ich auf die von der