Heft 
(2012) 1/2012. Dezember 2012
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8

Entrechtung deutscher Sinti und Ro ma, 2.) Võlkermord an Sinti und Roma im nationalsozialistisch beset?ten Eu- ropa und 3.) die Geschichte desZi- geunerlagers in Auschwitz-Birkenau.

Zu sehen sind viele zeitgenössi- Sche Fotos, die das Alltags- und Pri- vatleben dokumentieren. Zudem gibt es etwa sieben Malereien und Skiz- zen, die während der Gefangenschaft im Lager entstanden sind. Es ist die ein?zige Ausstellung innerhalb des Stammlagers, deren Texte auch auf Deutsch zu lesen sind. Die Ausstel- lung wirkt durchdacht und bemüht. Vor allem den Aspekt, in dem die Be- sonderheiten der Verfolgungen in den einzelnen verbũndeten und besetzten Ländern Buropas wiedergegeben werden, finde ich interessant. Ver- schiedene Zeitzeugenberichte doku- mentieren die Zustände innerhalb desZigeunerlagers und dessen Räumung im Jahr 1944 und schaf- fen einen Gegenpol zu der industriel- len Vernichtungsmaschinerie, wie sie in den historischen Behördendoku- menten und Tabellen aus der Per- spektive der Täter dargestellt wird. Da der Tod der letzten Zeitzeugen absehbar ist, wird es zukünftig immer mehr von Bedeutung sein, einzelne Opferschicksale aufzugreifen und vorzustellen.

Im Gegensatz dazu erscheint mir die Länderausstellung Polen nicht gan?z so gut konzipiert. Die Ausstel- lung aus dem Jahr 1985 richtet ihren Fokus zunächst auf die Zivilbevölke- rung während der Besatzungszeit. Man bedient sich Bildmaterialien, die schockieren wollen. Finige Plakate Sollten wieder befestigt werden. Ein

bekanntes Foto von einem Jungen aus dem Warschauer Ghetto wird leider in einem falschen Zusammenhang ge- bracht und als Beispiel für die Ver- elendung der polnischen Zivilbevöl- kerung dargestellt. Noch nie habe ich mir über die Problematik Gedanken gemacht, dass sich die großen Vernich- tungslager auf polnischem Boden be- fanden. Der Gedanke an ein mögli- ches Fehlen internationaler Aner- kennung der Leidensgeschichte der polnischen Bevölkerung während der Besatz ungszeit, lässt die Ausstellung in einem anderen Kicht erscheinen. Den- noch gehe ich mit einem leicht betrübten Ge- fühl aus dem Ge- bãude. Wie aber verhält es sich mit der besonde- ren Rolle Polens, und wie geht man damit um?

Erst langsam spüre ich, wie mich der Besuch auch körperlich belastet. Nach einer kurzen Pause auf einer der Sitzbänke vor dem Fingang fange ich an zu zit- tern. Der Aufenthalt im ehemaligen KZ hat mich mitgenommen, und ich erinnere mich an etwas, das ich ein- mal von einem Besucher gelesen hat- te: Dieser sprach davon, dass man nach einem Besuch hier ein Stück Auschwitz in sich tragen würde. Ich glaube, ich weiß nun, was er damit meinte.

Ich bin froh, diese Reise angetre- ten zu haben.

Melanie Benz

Melanie Benz