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(2005) 1/2005. August 2005
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32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

zwar schon seit langem seine Funktio- nen als Metropole verloren, war doch aber auch kein kleines zurückgeblie- benes Landstädtchen, kein galizisches Stetl. Einen Aufschwung erfuhr es mit der Industrialisierung, die nicht zuletzt von jüdischen Unternehmern voran- getrieben wurde. Die Bevölkerungs- zahl verdoppelte sich von über 35000 um 1900 auf über 10.000 vor dem Welt- krieg, wobei der Anteil der Juden et- was Zurückging, aber stets über 50 0 betrug. Das Wachstum der Bevölke- rung setzte sich nach dem Weltkrieg

Gusta Berlinska, 1918 in Oswiecim geboren, hat ihr EFl- tern und Geschwister, die in Auschwitz ermordert wur- den, in einem Porträtbild gemalt.(Foto 2004, Israel; aus: Lucyna Filip, Juden in Oswiecim 1918- 1941.)

fort und erreichte 1939 mit 12 000 Einwohnern einen Höchststand. Uber 7 000 Personen waren Juden. Diese hohe Zahl ermöglichte ein vielfältiges und reges religiõses, politisches und kulturelles jüdisches Leben, dessen Grundlagen schon unter österreichi- scher Herrschaft gelegt worden waren. Wie man der Darstellung von Frau Filip entnehmen kann, sollte sich al- lerdings im Laufe der Jahre die Ambi- valen? von fruchtbarem Zusam- men- leben in geglückter Assimilation und zionistischer Reaktion auf antisemiti- sche Regungen in der Be- võlkerung und auf wirt schaftliche Pressionen seitens der Behörden ver- stärken.

Das religiõse Leben blieb von der Orthodoxie geprägt, entfaltete sich aber unter deren Domi- nanz doch vielfãltig Zwi⸗ schen Haskala und Chas- sidismus.

Die Autorin listet im Anhang 18 Synagogen auf, von denen die meisten religiösen Gesellschaften gehörten. Die nach einem Stadtbrand von 1863 neu erbaute Große Synagoge wurde im Krieg von den Deutschen niederge- brannt. Erhalten geblieben ist die Synagoge der

GesellschaftLOmdei Misznajot, in der sich während der deutschen Besat?ung Juden vor ihrer Deportation versammeln mussten. Nach dem Krieg