Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 33
wurde sie von Uberlebenden vorüber- gehend als Gebetshaus eingerichtet. Seit kurzem ist die Synagoge wieder geweiht und im benachbarten Gebäu- de ein jũdisches Bildungszentrum ein- gerichtet.
Führten Inflation und Weltwirt- schaftskrise allgemein zu einer Sen- kung des Lebensstandards, so kamen für die jüdische Bevölkerung eine in den 30er Jahren aufkommende Boy- kotthetze und behördliche Verbote, die insbesondere den Handel betrafen, verschärfend hinzu. Es spricht für das gute Verhältnis von Synagoge und Kir- che, dass es dem Vertreter der jüdi- schen Gemeinde und dem Propst der katholischen Pfarrkirche in gemeinsa- mer Aktion gelang, wenigstens die Aufhebung des Hausierverbots zu er- wirken. Juden waren nicht nur im Han- del, Ssondern auch in Gewerbe, Indu- strie und Landwirtschaft tätig. Die Mehrzahl der Fabriken hatten jüdische Besitzer, worunter Unternehmungen in der Chemie- und Getränkebranche überregionale Bedeutung erlangten.
Die Vorbereitungen auf den als un- ausweichlich erkannten Krieg führten jüdische und nichtjüdische Bevölke- rung enger zusammen, bis dann die deutschen Okkupanten die Selektion vornahmen. Die Geschichte des Holo- caust ist intensiv erforscht und in ihren Grundzügen bekannt, und doch ist es immer wieder beeindruckend, an einem überschaubaren Platz die Stadien der schrittweisen Entrechtung und Aus- grenzung, der jüdischen„Selbstverwal- tung“, der Ausplünderung, der Zwangs- arbeit, der Gettoisierung und der Deportation Zu verfolgen. Zunãchst tra- fen viele Unterdrückungsmaßnahmen
Juden und Nichtjuden gemeinsam. S0 hatten in Auschwit? neben Juden An- gehörige der polnischen Geistlichkeit und Intelligen? Zwangsarbeiten zu ver- richten. Ebenso trafen Umsiedlungsak- tionen aus dem in das deutscheReichs- gebiet eingegliederten Auschwitz beide Bevölkerungsgruppen.
Der Judenrat von Auschwit? hatte dieselben Aufgabengebiete zu erle- digen wie jeder andere: Die antijüdi- schen deutschen Anordnungen zu be- folgen und Selbstverwaltungsangele- genheiten, darunter insbesondere So- zialfürsorge, in eigener Regie zu be- treiben. Die Geschichte der Juden in Auschwit? endete mit Deportationen in Gettos, wo sie, Zu weiteren Zwangs- arbeiten eingesetzt, der„Vernichtung durch Arbeit“ ausgesetzt wurden. Verantwortlich dafür zeichnete be- kanntlich in erster Linie Karl Krauch, der in NStypischer Personalunion als leitender Industrieller(Vorstandsmit- glied der IG-Farben) und mit höhe- ren Staatsaufgaben Beauftragter (Generalbevollmãchtigter für die An- gelegenheiten der chemischen Pro— duktion im Vierjahresplan) den Auf— bau der Buna-Werke in Auschwitz- Monowit? vorantrieb.
Einige der wenigen Uberlebenden kehrten nach ihrer Befreiung nach Oswiecim zurück. Sie versuchten die Gemeinde neu zu gründen. Aber der Versuch scheiterte bald. Die meisten von ihnen Zogen in größere Städte um oder wanderten in die USM oder nach Israel aus. Der letzte Jude von Oswie- cim starb im Jahre 2000. Ein trotz aller Beschwernisse blühendes Leben er- losch. Lucyna Filip hat ihm ein dan- kenswertes Denkmal gesetzt.


