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(2005) 1/2005. August 2005
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30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Juden in Oswiecim 1918- 1941 Eine Buchbesprechung

Von Werner Boldt

Lucyna Filip, Juden in Oswiecim 1918-1941, Verlag-Scientia, Oswiecim 2005, 348 Seiten, ISBN 83-91118819. Bestellen per Mail: Scienta Syahoo.com

Die hier in deutscher Spra- che vorliegende Publikation, die durch finanzielle Hilfe mehrerer Bildungseinrich- tungen und ei ner Landtags- fraktion ermõg- licht wurde, ist die erweiterte Fassung einer polnischen Monogra- phie. Die Autorin ist Mitarbeiterin an der Gedenkstätte in Auschwitz. Sie hat ein Geschichtsstudium an der Universität Kattowit? absolviert und ist Mitglied des Beirats der Auschwit? Jewish Center Foundation. In Oswie- eim geboren, bringt sie einen persõnli- chen Bezug zum Thema mit, zu dem sie bislang schon einige kürzere Ab- handlungen verõffentlicht hat.

Die Arbeit ist sehr gut recher- chiert. Neben polnischen, deutschen und österreichischen Quellen- und Geset?essammlungen hat die Autorin Materialien aus israelischen, polni- schen, deutschen und schwedischen Archiven herangezogen. Bei dem

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stattlichen Literaturverzeichnis fällt ins Auge, dass es keine nennenswerten Vorarbeiten zu dem speziellen Thema gibt. Die Autorin hat Kontakt zu Uberlebenden in verschiedenen Län- dern aufgenommen und deren Aussa- gen in ihre Darstellung einbezogen, wobei freilich festzuhalten ist, dass oral history als ein Quellenfundus, aus dem die Rekonstruktion jüdischen Le- bens sich stärker mit Anschauung hät- te füllen lassen können, fast ganz ver- siegt ist. Umso höher ist die geleistete Arbeit einzuschätzen, die auch im um- fangreichen Anhang ihren Nieder- schlag neben anderen biographischen Materialien in einer Reihe von Kurz- biographien gefunden hat. In den Text Sind historische Aufnahmen eingefügt, Sowie Farbaufnahmen von der Fin- weihung der Synagoge Lomdei Mis?- najot aus dem Jahre 1998.

Frau Hilip gliedert ihre Untersu chung in sechs Kapitel. Die Hauptka- pitel(II-V) sind der jüdischen Ge- meinde in Oswiecim zur Zeit der II. Republik von 1918 bis 1939 gewidmet. Sie untersucht das jüdische Leben un- ter vier Aspekten: dem religiõsen, dem politischen, dem kulturell-pädagogi- schen und dem wirtschaftlichen. Die Darstellung wird flankiert von einer historischen Finführung und von eit nem Schlusskapitel, das die Vernich- tung jũdischen Lebens durch die deut-

Dr. Werner Boldt ist emeritierter Professor der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.