Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29
Stan Zak-Kaminiski ist tot
Die Lagergemeinschaft trauert um ihr Gründungsmitglied Stanislaw Lak- Kaminski. Er ist im Alter von 79 Jah- ren am 24. Juni in Frankfurt am Main gestorben. Als Jude und Pole sprachen ihm die Deutschen des Nazi-Reiches das Fxistenzrecht ab. 1941 in War- Schau verhaftet, be- gann seine Odyssee durch mehrere Konzentrationsla- ger, unter anderem auch Auschwitz. Sein Körper wurde nicht nur durch Zwangsarbeit aus- gebeutet, sondern auch für inhumane wissenschaftliche Zwecke von NSMedizinern miss- braucht. Im berüchtigten Block 20 im Stammlager Auschwitz bekam er mit Flecktyphus verseuchtes Blut injiziert. Als einer von Wenigen dieser„Ver- suchskaninchen“ überlebte er.
Auch nach der Befreiung prägten die Torturen sein Leben. S0 musste er zwei Jahre in einem Gipskorsett ver- bringen. Damals begann er zu malen und sich so mit seinem Schicksal und das seiner Leidensgenossen auseinan- derzuset?en. So konnte er, als er spãter als JOurnalist in Warschau arbeitete, wie er es selbst oft erklärte,„Ohne Hass“ über Deutschland schreiben. Hierher kam er erstmals 1964 zu einer Zeugen- aussage im Frankfurter Auschwitz- proZeß. 1974 übersiedelte er in diese Stadt, in der er Freunde gefunden hat- te und- wie er Sagte-„Zum drittenmal geboren“ wurde. Am 10. Oktober 1925 zur Welt gekommen, galt ihm die Be-
freiung aus dem Konzentrationslager 1945 als Zweite Geburt.
In Frankfurt widmete er seine Zeit vermehrt der Malerei. Er entwickelte einen collagehaften, oft von surrealen Motiven geprägten Stil. Häufig por- träãtierte er Situationen und Menschen, die ihm Vorbild waren: So den Kniefall Willy Brandts in Warschau, den ge- scheiterten Hitler-Attentäter Georg Elser, andere Widerstandskämpfer und Opfer wie Dietrich Bonhoeffer und Anne Frank. Herman Reineck, den Gründer der Lagergemeinschaft, malte er als unermüdlichen Mahner. Dieses Bild hat Joachim Proescholdt im Mitteilungsblatt(Juli 1996) aus- führlich erläutert. Das zentrale Motiv beschrieb er wie folgt:„Hermann Reineck mit seinem Lebenshinter- grund: dem Schatten von Auschwitz, überlebensgroß. Tag und Nacht gegen- wärtig, Jeil seines Ichs, Hermann in Häftlingskleidung.“
Durch Hermanns Beispiel angeregt, diskutierte auch Stan Zak-Kaminski oft in Schulen, Jugendgruppen und ande- ren Pinrichtungen als Zeitzeuge über die Verbrechen Nazi-Deutschlands und die Verantwortung, auch heute Antise- mitismus, Rassismus und Diskriminie- rung entgegen zu treten. Seine letzten Jahre lebte er in Altenzentren in Frank- furt. Wir haben Stan Zak-Kaminski als wahrhaften Menschen erlebt, der sich trotꝰ aller an Körper und Seele erlitte- nen Verfolgung und Vergewaltigungen für ein friedliches Zusammenleben en- gagierte. Wir haben einen, unsere Ar- beit kritisch begleitenden, Freund ver- loren.


