14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
KAZ-Häftlinge als Vermittler zwischen Polen und Deutschen
Von Tadeusz Sobolewicz
Nicht allen Menschen in Polen sind Touristen aus Deutschland willkom- men. Die deutsche Sprache- vor allem wenn sie zu laut und zu rau artikuliert wird- erweckt vielerorts Widerwillen. Gewisse Wörter wirken scharf und un- angenehm, und ältere Polen fühlen sich dann schnell an die Befehle und Flüche der deutschen Besatzungstrup- pen wãhrend des Weltkriegs erinnert.
Ich möchte hier auf keinen Fall Verallgemeinerungen verbreiten und stimme auch nicht damit überein, wenn meine polnischen Landsleute õf- fentlich Ablehnung gegenüber den Deutschen demonstrieren. Doch kann nicht ignoriert werden, dass Anti- pathien von Zeit zu Zeit wieder hoch- kommen und sich dann in der Regel an konkreten Freignissen fest machen etwa am Auftreten deutscher Ge- schäftsleute in Polen.
Das Klischee ist bekannt. Der rei- che Nachbar kommt zu uns und will investieren, dabei aber auch kräftig verdienen. Fin armer Einheimischer hingegen kann es sich nicht leisten, sein Haus oder Geschäft zu moderni- sieren, und sieht sich deshalb zum Ver- kauf ge?wungen. Schnell heißt es dann, die Deutschen wollten sich bei uns all das zurückholen, was sie nach dem Krieg verloren haben. So sehr man diese Denkweise kritisieren mag, sie wird sich so schnell nicht ändern. Es sind noch viele Jahre notwendig, um alte Antipathien zu überwinden. Aber da wir nun einmal Nachbarn
sind, sollten wir uns um ein gutes Zu- sammenleben bemühen und nicht unnõtig Streit suchen.
Hier set?e ich meine Hoffnungen vor allem in die Jugend. Ich habe häu- fig beobachtet, dass junge Deutsche schon von vornherein mit einem ge- wisSen Schamgefühl nach Polen kom- men. Sie haben im Geschichtsunter- richt über den bitteren Ernst des Zweiten Weltkriegs und den Völker- mord an den Juden erfahren. Oft sind Sie sich nicht sicher, ob ihr Großvater vielleicht an der Ausrottung tausender unschuldiger Menschen aus allen Tei- len Europas beteiligt war. Sie schämen Sich für das Unrecht, dass ihr Land den Polen angetan hat, und wollen mehr über die Vergangenheit erfahren.
Als ehemaliger Häftling in insge- samt sechs Konzentrationslagern der deutschen Nationalsozialisten, darun- ter auch Auschwitz, treffe ich häufig mit jungen Menschen zusammen, um ihnen als Zeitzeuge meine Erfahrun- gen kund zu tun. Dabei habe ich im- mer wieder die Erschütterung regi- striert, die die Konfrontation mit dem Grauen im Museum Auschwitz-Bir- kenau bei diesen Besuchern auslöst. Sie sind schockiert über die grenzen- lose Bestialität gegenüber Menschen aus anderen Völkern, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen. Diese Konfrontation mit den Ver- brechen gegen die Menschlichkeit löst Scham und Verlegenheit aus- und ebenso Angst und Schrecken sowie


