2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Was bleibet aber? Von Albrecht Werner-Cordt
Vergangen die 60. Jahrestage, die Gedenkfeiern, vorbei der 27. Januar, vorbei auch der 8. Mai. Gehalten die Reden, vernommen die Worte, vor Augen die Bilder, nach- klingend das musikalische Begleitprogramm, gelesen die Zeitungsberichte.
Was Presse und Fern- schen zu Auschwit? ver- lautbart haben, ist längst von anderen Themen ab- gelöst worden. Der Be- darf an tãglichen'News“ treibt Journalisten und Reporter zu immer ande- ren Schauplätzen. Im öf- fentlichen Bewußtsein ist Auschwit? abgehandelt. Die beschworene Ver- pflichtung zur Frinnerung hat ihre Schuldigkeit ge- tan. Somit genug des Ge- denkens?
Drei Nachrichten der letzten Zeit
Die Parole Ruhm und Ehre der Waffen-SS“ jst nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom Juli 2003 nicht strafbar. Die angeklagten Neo- nazis wurden frei gesprochen.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) lehnt, im Namen der Bundesre- gierung, die Erforschung eines der we- sentlichen Kapitels der politischen Nachkriegsgeschichte kategorisch ab. Die Besetzung zentraler Positionen in- nerhalb der Ministerien mit alten Na- zis und NS-Tätern nach 1945 leugnet Schily mit einem Satz: Pie Bundesmi- nislerien vehen sich nicht in einer Konti- nuitũt mit der ehemaligen national-
Auf Vorschlag des ehemaligen Auschwitz-Häftlings Kazimierz Albin(3. v. li.) wurden den LGA-Vorstandsmit- giedern(von li.) Matthias Tiessen, Albrecht Werner-Cordt und Diethardt Stamm hohe polnische Orden verliechen.
voZialistischen Vergangenheit“. Wie verrãterisch doch die Sprache ist. Dem amtierenden Innenminister der Bun- desrepublik Deutschland ist der Na- tionalsoZialismus nicht nur Vergangen- heit, nein, wenn schon, denn schon, ehemalige Vergangenheit“- und dies, obwohl Fachhistoriker davon ausge- hen, dass zentrale Bereiche des Innen- ministeriums und nicht minder des Auswärtigen Amtes Anfang der fünf- ziger Jahre wieder fest in den Händen von Altnazis und SS-Führern waren. In Frankfurt am Main setzt sich ei- ne Initiative für die Umbenennung des Platzes vor dem ehemaligen Sit?z der I6 Farben in Norbert-Wollheim-Platz ein. Dort residiert mittlerweile die


