O wie durstig war diese Seele! Durstig Nach Wissen, Kenntnissen, Veränderung| Aus dem werktäglichen Dasein sehnte sie Sich fort, schuf selbst sich eine neue Welt. Die schöner, reicher war, reiner und kühner: Halb Ahnung und halb Poesiel...
Einst fiel ein altes Buch ihr in die Hand, Vollständig, nur der Titel fehlte ihm;
Darin fand sie die allerschönsten Sachen. (Schade, daß der Schöpfer verborgen blieb|) Sie las es immer, hundertmal im Jahr,
Wie eine wunderbare Melodie,
Die wir unausgesetzt uns wiederholen,
Weil Herz und Seele voll uns sind davon. Sie las, und einzeln alle die Gestalten Bezog sie auf sich selbst, der. Reihe nach: War heute Julia in Romeos Armen
Morgen die unglückliche Desdemona,
Lady Macbeth dann mit der blut’gen Hand, Cordelia heute, morgen Imogen....
Und wenn nun einer von des Dorfes Rüpeln Mit plumpem Mund ihr Schmeicheleien sagte, War Zottel er und sie Titania...
So war Mirjam, das Kind des alten Jobs.
IV;
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Herbstabend lind und lau. Die Pappeln zittern, Vom Vordach scheidet schon der Schwalben Schar. Und morgen sind die Nestchen kalt, die leeren. Zwitscherndes Schwälbchen, wirst du wiederkehren?
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Des kleinen Schilfdachhauses Fenster glänzt, Die Zitterpappel wirft blitzende Strahlen.
Die Pappel färbt zu reinem Gold ihr Laub. Von ferne dämmert schon die Nacht herauf.
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