Während er tönend das Bekenntnis! sang, Für ihren letzten Weg gewann sie Kraft.
Oft beim brennenden Docht aufsaß er droben
Um des kargen täglichen Brotes willen.
Auf große pergamentne Blätter da
Kopierte den uralten Text der Greis?,
Des alten Testamentes ew’ge Lehren,
Das Gotteswort, das da zum Leben führt,
Den Quickborn, der von frischem Wasser sprudelt, Das Mysterium, dessen Name: Gott.
Doch da er also lebt’, Buchstaben malend, Herrschte auch der Buchstabe über ihn.
Zurück wünscht’ er in seiner Phantasie
Die grausig-dunkle, rauhe, wilde Welt,
Da Adonai die Fackel war auf Erden,
Und wer ihn schändete, mit Tod es büßte,
Da toter Buchstabe lebend Gesetz war
Und seine Spur Steinigung, Feuer, Abgrund,
Zum Himmel schlug der Scheiterhaufen Brand, Das Schwert blitzt’ in des Hohenpriesters Hand’....
III.
Am Fuß des öden, unfruchtbaren Gipfels Erwuchs verborgen eine frische Blume.
ı Kiß sagt„Glaubensbekenntnis‘‘, doch handelt es sich um das Sündenbekenntnis, das eigentlich der Sterbende selbst zu sagen hat, das jedoch auch, wenn er schon zu schwach ist, von einem Vertreter gesprochen werden kann.
2 Ein solcher Thoraschreiber ist eine halb geistliche Persön- lichkeit. Er hat die strengste Verpflichtung, den heiligen Text bis auf das Tüttelchen(das schon die Evangelien ihm nicht rauben lassen wollen), abzuschreiben. Dieser Gewissenhaftigkeit, die weit zurückreicht, verdankt man den für so lange Überlieferung un- gemein guten Text des ‚Alten Testamentes‘. Daß Kiß diesen Ausdruck gebraucht, der sonst bei den Juden ganz ungebräuchlich ist, befrerndet.
3 Scheiterhaufen und Hinrichtung durch das Schwert kannte das Judentum meines Wissens nicht.
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