Druckschrift 
Jüdische Balladen / Josef Kiss ; aus dem Magyarischen übersetzt von Otto Hauser
Entstehung
Seite
9
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Der Jude Simon wird gelb im Gesicht und schwarz:

Schlecht von Herz und Nieren bist du, Judith. Mir wards Schon von manchem gesagt und dies und das noch drauf, Und wie eines wahr ist, ist es das andre auch!.

Wer schlechte Mutter ist, ist auch schlecht Eheweib:

So leb mein Kind, wie ich dich aus dem Hause treib I

Das Jahr geht hin, geht hin und erneut sich wieder. Von dem Juden Simon schallt Jubel herüber.

Die Chügge? steht im Hof, alles drängt sich herein: Der junge Nathan führt heut Simons Tochter heim.

Ein armes Bettelweib kommt auf den Hof zuletzt. Die andern stoßen sie von links und von rechts. Sie hofft, sie kämpft, sie bahnt durch die Gäste sich Weg.

Die schöne Braut, ach laßt, daß auch ich sie sehen mög?|

Jetzt bringt man sieheran...schon sprechen sieden Schwur...

Der Rabbi betet...Jetzt, jetzt noch ein Schrittchen nur|

Teures Blut! Kind! Mädchen! Sieumschlingt sieundzieht An ihre kalten Lippen die Lippe, die glüht.

- Das ist von Judith Simon das traurige Lied.

1 Bei den orthodoxen Juden wird es sehr genau beobachtet, ob sich in der Hochzeitnacht die Zeichen der Jungfrauschaft fanden.(Vgl. den Gebrauch bei den syrischen Arabern, den ich in den Anmerkungen zum ‚Hohen Liede, AfG. 9 erwähne.) Auch hier läßt die Ballade die wirklichen Verhältnisse außer acht.

2 Der Trauhimmel.