Druckschrift 
Jüdische Balladen / Josef Kiss ; aus dem Magyarischen übersetzt von Otto Hauser
Entstehung
Seite
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Schmachte, verzehre dich, unsäglich Elend trag:

Fieberische Notnacht gut es einzugraben.... Besser wäre mir jetzt, ich läg unterm Rasen!

Nachblättert der Rabbi in manch heilgem Buche,

Daß er für ihre Schuld drin die Buße suche.

steh auf Judith, steh auf! Tu ab dein Trauerkleid! Deine große Sünde wird so leicht nicht bereut.

Nur andres erlöst dich furchtbar ist die Probe.

Judith, hast du die Kraft für so schwere, große? a Mörderisch ist dein Mund, wenn er Unschuldges küßt. Wiß, daß der Mutterkuß dir Dirne verboten ist. i

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Deine Buße endet des Kindes Hochzeittag.

Bei dem Juden Simon ist das ganze Haus licht: Benamung! gibt es, als ob man Hochzeit ausricht. Aus altem Psalmenbuch singt Simon die Psalmen, Judiths Wangen schwimmen in Tränen, die falben. Hundertmal das Kleine nimmt sie an ihre Brust, Will es immer küssen, doch verwehrt ist der Kuß.

Bei dem Juden Simon ist das Haus voll Jammer; Leis-leise geht man, dicht verhängt ist die Kammer. Frau Judith ringt weinend, schreiend ihre Hände: Muß ich verlieren auch dieses Kind am Ende?

Liebste Mutter, so brennt meine Stirn vom Fieber: Küsse mich, küsse mich, dann ists gleich vorüber.

Stille, Kleinchen, still, still! Schließ nur die Äuglein dicht. i O mein Gott, mein Schöpfer| verlaß, verlaß mich nicht!"

Mein Mündchen, Mütterlein, ist ganz aufgerissen. Nicht wahr, darum, darum willst du mich nicht küssen?

1 Der Text sagtTaufe. Das ist eine Angleichung an den christlichen Ausdruck. Die orthodoxen Juden nennen die im allgemeinen nicht große Feierlichkeit bei Mädchen ‚‚Numme geben, Namen geben,:

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