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Vom künftigen Deutschland : Aufsätze zur Zeitgeschichte / Erik Reger
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Die tieferen Gründe 185

imperialistischen gebrandmarkt und von den deutschen Sozia- listen verlangt habe, alle Aktionen gegen Hitler, die Sabotage in den Fabriken wie die Untergrundbewegung, einzustellen. Das Blatt hat diese Erinnerung benutt, um Herrn Ulbricht, der heute jeden Gegner einer mit totalitärem Anspruch auftretenden Ein- heitspartei einen Reaktionär und Faschisten nenne, darauf hin- zuweisen, daß man auf der Gegenseite solche Kampfmethoden verschmähe, nach Verständnis für die wechselnden taktischen Mo- tive in Ulbrichts Haltung trachte und sich jedenfalls nicht ein- fallen lasse, ihn wegen seines Stockholmer Artikels aus der Zeit des russisch-deutschen Nichtangriffspaktes als Faschisten zu be- schimpfen. Zweifellos nicht; aber wenn der Stockholmer Artikel den erwähnten Inhalt hatte, wird man immerhin nicht daran vor- beigehen können, daß in der Sozialistischen Einheitspartei jett Kräfte wirken, die in einem zu hohen Grade, bei allem Absolutis- mus des Zieles, der Relativität in den Mitteln huldigen, als daß man auf zeitlich bedingte Aeußerungen Häuser bauen dürfte. Jedenfalls sind wir in die Gefahr geraten, daß die Begriffe Faschis- mus und Antifaschismus des politischen Sinns entkleidet und nur noch als Popanz der Propaganda benugt werden, wobei sie natur- gemäß wie Bumerangs in einem kindischen Indianerspiel wirken. Ob die Verwirrung, die Unruhe, die das hervorruft, beabsichtigt ist, soll hier nicht untersucht werden; der Eindruck besteht, und die Argumente, die aus der Kenntnis der taktischen Grundsäge abgeleitet werden, sind durch Beteuerungen nicht zu entkräften.

Unter den geschichtsbildenden Gewalten spielen leider außer den Tatsachen auch Gefühle eine wichtige Rolle. Wenn die Dinge so sind, daß in der Bevölkerung das Gefühl aufkommen kann, man müsse, um seine Existenz zu bewahren oder einen Vorteil zu er- langen, in die Sozialistische Einheitspartei eintreten, so ist das genau so entscheidend wie der Beweis, daß dem tatsächlich so ist. Die Moral eines Volkes, die nach den nationalsozialistischen Jahren und angesichts der Folgen der Niederlage ohnehin schwer zu heben ist, wird als Gestalt und Begriff, als ethisches Faktum wie als politischer Wert ganz ausgeschaltet, wenn der Entwicklung mit dem Achselzucken begegnet wird: bei Hitler mußten wir, jeßt müssen wir wieder, gewöhnen wir uns daran wer will uns noch einen Vorwurf daraus machen, wenn wir schließlich auf nichts anderes mehr bedacht sind als darauf, auf irgendeine Weise, gleich welche, ein ohnehin kümmerliches Leben weiterzuleben. Und falls die Bevölkerung des deutschen Westens durch gewisse Vor- gänge den Eindruck gewinnt, die Zonenmauern seien unüberwind- bar geworden, man müsse denkommunistischen Ostenab-

: ERS,:; 5 _ schreiben, jeder Versuch einer Zusammenarbeit rechtfertige den

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